Berlin / dpa Die Namen der Suhrkamp-Autoren stehen für Extraklasse. Jetzt feiert das einflussreiche Haus runden Geburtstag.

Brechts „Mutter Courage“ ist lila. Judith Butlers „Körper von Gewicht“ leuchtet orange. „Die Ermittlung“ von Peter Weiß präsentiert sich in hellem Blau. Der bildungsbürgerliche Regenbogen aus Romanen, Gedichten oder philosophischen Analysen geht auf den Suhrkamp Verlag zurück, dessen Edition die Farbtupfer setzt. Nicht nur optisch hat der Verlag ein Stück Literaturgeschichte im Nachkriegsdeutschland geschrieben. Am 1. Juli vor 70 Jahren wurde Suhrkamp gegründet.

Die Entwicklung des Verlags ist eng verbunden mit deutscher Geschichte. Peter Suhrkamp wird 1933 von Verleger Samuel Fischer für den Berliner S. Fischer Verlag engagiert. Nach Fischers Tod ein Jahr später muss sein Schwiegersohn mit den Nazis nicht genehmen Publikationen ins Ausland gehen. Den verbleibenden Teil des Verlags führt Suhrkamp als „Suhrkamp Verlag vorm. S. Fischer“ bis zur Verhaftung durch die Gestapo 1944 weiter. Nach dem Krieg bekommt Suhrkamp eine Lizenz für einen Verlag.

Siegfried Unselds Karriere

1952 beginnt die Suhrkamp-Karriere von Siegfried Unseld, der den Verlag über Jahrzehnte prägen soll. 1957 wird er Gesellschafter, zwei Jahre später nach dem Tod Suhrkamps alleiniger Verleger. „Der Suhrkamp Verlag verlegt keine Bücher, sondern Autoren“, ist einer der markanten Grundsätze, die auf Unseld zurückgehen. Er schafft es, ein gutes Lektorenteam um sich zu scharen. Suhrkamp gilt in den unruhigen Nachkriegsjahrzehnten als kapitalistischer Verlag mit linker Ideologie.

Im Zentrum stehen jüngere Literatur, aber auch Soziologie und Philosophie, Lyrik, Drama, Biografien, Essays, Werkausgaben. Hesse, Frisch, Bernhard, Weiss, Walser, Beckett, Handke, Enzensberger, Adorno, Bloch, Habermas, Sloterdijk – neben männlichen Autoren aber auch Ingeborg Bachmann, Christa Wolf, Marguerite Duras und Isabel Allende.

Dem Tod Unselds 2002 folgt ein Machtkampf um die Verlagsspitze mit unzähligen juristischen Verfahren. Zu den Ergebnissen zählen der Umzug von Frankfurt nach Berlin und die Umwandlung in eine AG.

Auch heftig umstrittenen Autoren wie Walser oder Handke steht Suhrkamp bei. „Die Loyalität geht weit, denn Freiräume der Literatur und Wissenschaft, des Denkens zu erhalten ist essenziell“, sagt der heutige Verlagschef Jonathan Landgrebe. „Mit den Autorinnen und Autoren, die ihre Bücher bei uns publizieren, ob in der Literatur oder den Wissenschaften, bündelt sich bei uns bis heute ein gewichtiger Teil des geistig-intellektuellen Lebens dieses Landes.“ Gerd Roth