Heidenheim / Joelle Schilk Im Konzerthaus hat „Peterchens Mondfahrt“ am Samstag, 30. November, um 15 Uhr Premiere. Verantwortlich sind zwei noch sehr junge Regisseure, die zugleich alte Hasen im Theater sind.

Eine etwas andere Art von Weihnachtsmärchen. Neue Dinge, die man so bei einer Naturtheater-Vorstellung noch nicht gesehen hat. Eine Inszenierung, die „auf jeden Fall cool wird“: Drei Sätze, mit denen der 20-jährige Jonas Hirschberger das anstehende Naturtheater-Wintermärchen beschreibt. Drei Sätze, die voller Überzeugung kommen, während er nebenbei eine große, rot-weiß gestreifte Plane über die Bühne im Theatersaal hievt und hier und da weitere Vorbereitungen für die erste Durchlaufprobe des Stücks trifft.

Diese Überzeugung, die hat das junge Naturtheatermitglied in den vergangenen Monaten, mehr noch in den vergangenen Wochen, gewonnen, und er ist damit nicht alleine: Axel Ostermayer, ebenfalls 20 Jahre alt, pflichtet ihm bei. „Ich bin zuversichtlich, dass das richtig gut wird.“ Die beiden führen Regie beim Wintermärchen, das am Samstag, 30. November, um 15 Uhr im Konzerthaus Premiere hat, und auch wenn es zunächst vielleicht danach klingt, als würden sie nach den Sternen greifen wollen, wird das Ganze doch vielmehr ein rasanter Trip zum Mond: „Peterchens Mondfahrt“ nach Gerdt von Bassewitz soll dieses Jahr das kleine und große Theaterpublikum auf die Weihnachtszeit einstimmen.

Bewusst darauf eingelassen

Zwei so junge Regisseure? Noch dazu zwei Freunde, die das allererste Mal inszenieren? „Es gab schon jüngere Regisseure bei unseren Wintermärchen. Und wir wussten, worauf wir uns einlassen – wir haben bereits seit drei Jahren geplant, dass wir zusammen Regie führen wollen“, sagt Hirschberger. Da ist sie wieder, diese ansteckende Überzeugung. Und tatsächlich kommt sie nicht von ungefähr: Wie lief das mit dem Text? Wie macht man eine eigene Inszenierung? Was ist mit Bühnenbild, Kostüme, Requisiten, Maske, Technik? Die beiden haben Antworten parat, und zwar auf jede einzelne Frage.

Aber klar, man muss dazu auch sagen, dass beide sozusagen im oder zumindest mit dem Naturtheater groß geworden sind. Von Kindesbeinen an sind sie jedes Jahr auf dem Schlossberg, spielen mal im Kinderstück, mal im Erwachsenenstück, mal im Wintermärchen. Da bekommen sie viel mit, und da weiß man, dass zu einem fertigen Theaterstück mehr gehört als die regelmäßigen Proben. „Wir wollten das jetzt einfach machen. Die andere Seite kennenlernen, sozusagen“, sagt Jonas Hirschberger, dessen Vater Markus Hirschberger den beiden die Geschichte vom Maikäfer Sumsemann, der zusammen mit Peterchen und Anneliese zum Mond fliegt und sein verlorenes Beinchen sucht, vorgeschlagen hat. „Überhaupt hat er, genau wie viele andere, uns noch viel geholfen. Da wurden Tipps gegeben, bei den Proben zugeschaut – gerade, wenn man zu ersten Mal inszeniert, hilft das sehr“, sagt Ostermayer.

Textbuch selbst geschrieben

In der Geschichte des Naturtheaters ist es erst das zweite Mal, dass der Sumsemann über die Bühne fliegt. Das erste Mal war 1993, damals unter der Regie von Ulrike Saur – übrigens war auch da schon Markus Hirschberger mit dabei und unterhielt als gemeiner Mondmann auf der Bühne. Wo auch schon der Bogen gespannt werden kann zu einer der kühnen Behauptungen, die Jonas Hirschberger und Axel Ostermayer aufstellen: nämlich die, dass so einiges anders wird in ihrer Inszenierung. „Wir haben das Textbuch selbst geschrieben bzw. auf Grundlage von Ulrike Saur abgeändert“, so Jonas Hirschberger. Die einzelnen Szenen und Orte seien zwar noch vorhanden, aber eben anders interpretiert, genau wie manche Rollen. Aus dem Donnermann wird eine Donnerfrau, aus der Blitzhexe ein Blitzzauberer – da kann man nur gespannt sein, wie Maikäfer und Mondmann daherkommen werden.

Unterstützung aus dem Verein

„Wir wollten die Textarbeit selbst machen, aber Marco Grasa hat glücklicherweise noch mal drüber geschaut und ein bisschen bei der Grammatik geholfen“, sagt Axel Ostermayer. Die schwierigste Szene sei die gewesen, in der elf Personen gleichzeitig auf der Bühne stehen – doch auch das haben die beiden hinbekommen. „Ja, es war viel Arbeit. Wir haben umgeworfen, umgeschrieben, neu gemacht. In den vergangenen drei Wochen waren wir jeden Tag hier oben. Aber es lohnt sich, und es ist eine gute Erfahrung, um vielleicht auch mal auf der großen Bühne zu inszenieren“, sagt Jonas Hirschberger, der auch nicht versäumt, eine weitere wichtige Person zu nennen: Christian Horn, derzeit am Staatstheater Stuttgart, der sich nicht nur hinters Bühnenbild, sondern auch hinter die Kostüme für das Wintermärchen geklemmt hat.

„Gar nicht einfach, schließlich gibt es so viele Ortswechsel, und die müssen ja alle dargestellt werden.“ Wichtig ist deshalb eine Art Podest, das immer auf der Bühne bleibt, aber immer anders aussieht – mal ist es das Bett im Kinderzimmer, mal das Gefährt des Sandmanns, mal die Couch beim Weihnachtsmann und am Ende eine runde Scheibe. Und wieder die Überzeugung seitens der Regie: Diese Sache mit dem Mond, die wird am Ende aufgehen. Garantiert.

„Peterchens Mondfahrt“ von Gerdt von Bassewitz

In der Inszenierung von Jonas Hirschberger und Axel Ostermayer sind 18 Rollen mit Naturtheater-Spielern im Alter zwischen sechs und 54 Jahren besetzt. Als Peterchen wird Thabo Ernst zu sehen sein, die Anneliese übernimmt Charlotte Eckle, Sumsemann spielt Arjan Härtner und als Sandmann ist Christian Horn zu sehen.

„Peterchens Mondfahrt“ wurde 1912 als Märchenspiel in sechs Bildern im Alten Theater Leipzig uraufgeführt. 1915 wurde das Buch veröffentlicht. Der Schriftsteller und Schauspieler Gerdt von Bassewitz wurde übrigens am 4. Januar 1878 in Allewind geboren. Er schrieb viele Dramen, die allerdings allesamt nicht so erfolgreich waren wie sein Kinderbuch „Peterchens Mondfahrt“.

Das Stück wird auch am Sonntag, 1. Dezember, im Konzerthaus gezeigt. Weitere Aufführungsorte sind der Naturtheater-Saal (6., 7., 20. und 21. Dezember), die Walter-Schmid-Halle (15. Dezember), das Weststadtzentrum Hofherrnweiler (8. Dezember) und das Bildungszentrum Bopfingen (14. Dezember).