Heidenheim / Manfred F. Kubiak Die Wetterentscheidung darüber, ob die Oper im Rittersaal oder im CC gespielt wird, wird bei den Opernfestspielen ab sofort dreistufig gefällt und kann deshalb auch noch eine Stunde vor Beginn der Vorstellung geändert werden.

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Alle reden übers Wetter. Wir auch. Selbstverständlich. Denn mit der heutigen Generalprobe für „Pique Dame“ treten die Opernfestspiele in ihre heißeste Phase ein. Und wer sich in den vergangenen Jahren in der trügerischen Sicherheit gewiegt haben sollte, das Thema Wetter sei, seit das CC als Ausweichquartier zur Verfügung steht, kaum eines mehr, dem sei gesagt: Dieses Jahr ist das Wetter bei den Opernfestspielen sogar ein noch größeres Thema als je zuvor.

Das doppelte Trauma

Das wiederum liegt an zwei geradezu traumatischen Wettererfahrungen in der vergangenen Saison. Da wäre zunächst einmal der Schwarze Freitag vom 6. Juli, als, erstmals in der 54-jährigen Geschichte des Festivals, eine Vorstellung abgesagt werden musste. Ein Ereignis aus heiterem Himmel gewissermaßen. Denn damit, dass eine offenbar gemütlich nach Osten wandernde und zudem überschaubare Regenfront über Abtsgmünd plötzlich nach Süden abbiegen und eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn den Rittersaal in Heidenheim ins Visier nehmen würde, hatte auch der Deutsche Wetterdienst nicht gerechnet.

Als der Kurswechsel eingeleitet war, blieb gerade noch Zeit, Heidenheim zu warnen. Für einen Umzug ins CC indes war es viel zu spät. Die Vorstellung fiel buchstäblich ins Wasser. Und obwohl kein Hagel daruntergemischt war, schlug das Wetter, da die Eintrittsgelder zurückerstattet wurden, am Ende ein Loch in der Größe von 47 000 Euro in die Bilanz der Opernfestspiele.

Damit nicht genug, schlug das Wetter den Festspielmachern gleich noch einmal ein Schnippchen. Noch einigermaßen beeindruckt vom Schwarzen Freitag war man tags darauf auf Nummer sicher gegangen und, weil eine Regenfront in der Nähe Heidenheims herumschweifte, mit einem „Nabucco“ ins CC gegangen. Das Ende vom Lied? Draußen blieb es warm und trocken – und drinnen wurde der vors Publikum tretende Kulturamtsleiter Matthias Jochner des meteorologischen Versagens geziehen und gnadenlos ausgebuht.

Der Drei-Stufen-Plan

Da die Festspieler so etwas, wenn irgendmöglich, künftig nicht mehr haben wollen, wurden seit diesen Ereignissen hinter den Kulissen alle Abläufe durchleuchtet, um, so das Ziel, eine spätere Wetterentscheidung treffen zu können. Denn bis dato war um 16 Uhr festgelegt worden, ob draußen im Rittersaal oder drinnen im CC gespielt werden würde.

Das Ergebnis dieser Überlegungen ist, wie weiland die Saturn-Rakete, mit der Männer zum Mond geschossen wurden, dreistufig.

Stufe eins wird um 16 Uhr gezündet. Dann geht es allerdings in der Frage des Spielortes lediglich um eine intern zu kommunizierende Tendenz, wohin es am Abend wahrscheinlich gehen wird.

Stufe zwei wird um 18 Uhr mit der Entscheidung, wo man spielen will, gezündet. Erst jetzt wird die Entscheidung auch nach außen kommuniziert. Zu erfahren ist sie dann a) übers Wettertelefon mit der Rufnummer 07321.327-4220 oder b) bei Schlossblick durch die Wetterfahne auf dem Turm des Rittersaals, die nach 18 Uhr weiter weht, wenn draußen gespielt wird, aber eingeholt wird, wenn’s nach drinnen ins CC geht.

Telefon, Fahne, Webcam

Übrigens kann man einen Blick auf die Wetterfahne auch wieder ohne direkten Sichtkontakt zum Schloss werfen. Möglich macht das die auf dem Dach des Pressehauses untergebrachte Live-Webcam der HZ-Homepage www.hz.de, die ihr Objektiv auf den Schlossberg gerichtet hat und via Internet in bester Qualität zeigen wird, ob die Fahne weht oder nicht.

Aber Obacht: Da gibt es nun noch Stufe drei. Und die könnte, wenn nötig, noch um 19 Uhr gezündet werden. Dann nämlich, wenn sich das Wetter unvorhergesehenerweise noch einmal ändern sollte. Und in diesem Falle, das ist jetzt wirklich nagelneu, könnten die Festspielmacher tatsächlich noch einmal schnell reagieren und den Ort der Vorstellung neu wählen. „Wir glauben, dass wir ab sofort in der Lage sind, in 60, spätestens 80 Minuten einen ganz kurzfristigen Umzug über die Bühne zu bringen.“ Sagt Kulturamtsleiter Matthias Jochner.

Das wird dann unter anderem deshalb möglich sein, weil zum Beispiel die Pauken des Orchesters nun in doppelter Ausführung vorrätig und deshalb sowohl im Rittersaal als auch im CC bereits aufgebaut sind. Das liegt aber auch daran, dass inzwischen ein zweites Auto zur Verfügung steht, womit Instrumente, Requisiten und dergleichen schneller von einem Ort zum anderen transportiert werden können. Außerdem werden mehr Techniker zur Verfügung stehen, auch für die Umbauten, etwa wenn ein Ort vom Konzert am Abend zuvor für die Oper am Tag darauf umgerüstet werden muss, die nun bereits nachts bewerkstelligt werden.

Umzug in maximal 80 Minuten

Sollte der Fall der dritten Stufe eintreten, würde um 19 Uhr die Wetterfahne als entweder eingeholt oder auch wieder gehisst werden, würde das Wettertelefon neu besprochen und würden entsprechende Beschilderungen auf dem Schlossberg fürs anreisende Publikum angebracht und dort anwesende Besucher durch Auskunftspersonal wieder umgeleitet werden.

Ein erheblicher Aufwand. Aber einer, der für Matthias Jochner nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres notwendig ist. „Natürlich hätten wir auch sagen können, da so etwas offenbar nur alle 54 Jahre passiert, lassen wir alles so, wie es ist. Das wäre aber der falsche Weg gewesen. Denn nachdem wir durch das Festspielhaus seit 2010 ein Opernfestival sind, das mit dem ziemlich einzigartigen Pfund wuchern kann, eine vollständige Indoor-Variante zu bieten, muss man Restrisiken minimieren.“

Die 17-Grad-Grenze

Bliebe noch nachzutragen, dass nach wie vor auch die Lufttemperatur ein wesentlicher Faktor bei der Entscheidung ist, wo die Vorstellung stattfindet. Denn auch wenn es trocken bleiben sollte, für 22.30 Uhr aber Temperaturen unter 17 Grad Celsius prognostiziert werden, muss im CC gespielt werden. Dies fordert der Vertrag mit den Stuttgarter Philharmonikern, die verständlicherweise nicht gern mit klammen Fingern spielen.

Schlechtwetterkarten im Festspielhaus

Sogar schlechtes Wetter hat, seit es das während der Saison auch Festspielhaus gerufene CC gibt, bei den Opernfestspielen seine guten Seiten. Denn bei Vorstellungen dort, selbst wenn die Vorstellung an sich schon ausverkauft sein sollte, sind an der Abendkasse grundsätzlich 80 sogenannte Schlechtwetterkarten zu haben.