Heidenheim / Hans-Peter Leitenberger Georg Michael Grau und das Heidenheimer Voith-Orchester überzeugten unter der Leitung von Paraskevi Kontogianni im Festsaal der Waldorfschule.

Gut 550 Besucher fanden sich am Sonntagabend im Festsaal der Waldorfschule ein. Mit Ludwig van Beethovens drittem Klavierkonzert c-Moll hatte sich das Voith-Orchester kein Leichtgewicht ausgesucht und zeigte dabei beachtliche spielerische Leistungen. Unter dem temperamentvollen Dirigat von Patty Kontogianni gelang es dem Orchester weitgehend, das Spannungsfeld von düsteren bis zu lichten Passagen herauszuarbeiten.

Die Streicher zeigten bisweilen vielleicht zu wenig „Biss“ im ersten Satz bei den subtilen Abstufungen in den Figurationen. Die Bläser arbeiteten präzise und sensibel. Der phantastisch arbeitende Pianist Georg Michael Grau am Flügel zeigte durchweg Hochform nicht nur bei der herrlichen Originalkadenz. Jede Phrase saß, und die Forte-Partie am Schluss hatte Feuer und einen farbigen Glanz.

Federnde Eleganz

Eine abgeklärte Ruhe lag im Largo. Die beseelte, inspiriert vorgetragene Pianopartie kam mit Prägnanz und Würde, dazu die sanglichen Figuren von Flöte und Fagott, die wie ein zartes Gespinst wirkten, um das sich Klavierarabesken rankten. Die Zusammenarbeit von Orchester und Solist wirkte tadellos.

Michael Graus federnde Eleganz im Anschlag, seine differenzierte Gestaltung von Tempo und Dynamik bei den kadenzierenden Passagen gaben dem Satz einen expressiven, bewegenden Charakter. Das Klavier-Fortissimo am Schluss setzte einen energischen Schlusspunkt unter den eher lyrisch klingenden Mittelsatz, wobei die Pizzicati der Streicher etwas zaghaft kamen.

Flott, aber fein ausformuliert kam das Rondo, wobei Michael Grau auch hier spielerische Akzente setzte. Das Ritornell-Thema kam mit lebendigem, vorwärtsdrängendem Gestus. Hier zeigte das Orchester Kontur und Substanz. Sauber geführte Bläserlinien und markante Posaunen- und Trompetensignale kontrastierten glänzend mit dem Vorschlagsketten.

Der triumphale Stretta nach der improvisierend wirkenden Solo-Überleitung, eine ins Presto gesteigerte Variante des Hauptthemas, zeigte noch einmal das Können von Orchester und Solist, der mit einer reizenden Etude von Chopin eine mit verdientermaßen tosendem Beifall bedachte Zugabe lieferte.

Mut zum Außergewöhnlichen bewies das Voith-Orchester auch bei Alexander Borodins Sinfonie Nr. 1 in Es-Dur. Hier zeigten die Streicher, aber besonders auch die Bläser hohes spielerisches Können bei den synkopischen Impulsen und den prägnanten rhythmischen Motiven im Kopfsatz.

Exotische Farbigkeit

Die Prestissimo-Partien im Scherzo zeigten klare spielerische Prägnanz trotz kleiner intonatorischer Unregelmäßigkeiten, die allein schon wegen der hochkomplexen Satzstruktur durchaus verständlich waren.

Der folkloristisch geprägte Part im Trio mit edlen Holzbläserfarben hatte seinen besonderen Charme und das ebenso geprägte Andante erklang mit seiner exotischen Farbigkeit und Melismatik. Das Orchester überzeugte weitgehend durch Klarheit und klangliche Präsenz wie beim Finale, das mit großer Vitalität und rhythmischer Energie gespielt wurde. Eine Zugabe aus dem Andante kam als eher ruhiger Abschiedsgruß an das begeisterte Publikum.

Es wird auch wieder Weihnachten

Noch ist ein wenig Zeit bis zum nächsten Auftritt des Heidenheimer Voith-Orchesters, aber er kommt bestimmt. Der Termin steht auch schon fest: Das Konzert wird am Sonntag, 15. Dezember, um 17 Uhr im Festsaal der Waldorfschule beginnen.