Heidenheim / HZ In der Stadtbibliothek führte die Schaubühne Augsburg „Meister Eder und sein Pumuckl“ auf. Das Publikum beteiligte sich am Stück.

Wenn Sachen verschwinden, obwohl man sich ganz sicher ist, dass sie grade eben noch dalagen, kann man schon an seinem Verstand zweifeln. Kommen dann allerdings noch wie aus dem Nichts Wadenzwicker hinzu, dann liegt die Sache klar auf der Hand: das kann nur ein Kobold sein. Die Zuschauer am Sonntagnachmittag im ausverkauften Saal der Stadtbibliothek Heidenheim wussten längst, dass da der Pumuckl seinen Schabernack trieb. Meister Eder, gespielt von Christian Bayer von der Schaubühne Augsburg, brauchte etwas länger bis er in seiner Werkstatt den Kobold mit den roten Haaren als Verursacher entdeckte.

Wie es sich für einen echten Schreiner gehört lagen Holzspäne, Werkzeuge sowie ein ganzer Holzspanhaufen auf der Bühne herum. Frei von der Leber weg wurde Bayrisch geredet ganz ohne Verständigungsprobleme. Meister Eder mit seinem dicken Bauch, der Brille und dem Schnauzer konnte ganz schön fluchen, wenn sich sein Schraubenzieher plötzlich bewegte, die Brille weg war oder Staub in den Kaffee flog. Erstaunen rief Frau Steinhausers Sportlichkeit hervor, die unter Gelächter direkt in Eders Arme sprang, um sich vor den unsichtbaren „Wadlzwickern“ zu retten.

Raphaela Miré Beier verkörperte gleich drei Rollen, die Kundin Frau Steinhauser, Meister Eders Nichte Bärbel und natürlich den frechen Pumuckl. Dank dem Leimtopf stand er plötzlich sichtbar da mit seinen knallroten Haaren, der roten Nase, dem gelben Hemd und der grünen Hose. Die Schauspielerin hüpfte, tanzte, ärgerte und reimte, was das Zeug hielt, denn: „Lieber ein Kobold mit Spaß, als Goldfisch im Glas“. Und Spaß hatte das Publikum allemal bei den unsichtbaren und sichtbaren Aktionen des kleinen Pumuckls und den Vertuschungsbemühungen des Eders vor seiner Nichte und Frau Steinhauser.

Die Schaubühne Augsburg bot eine lustige mit viel Energie und Herz gespielte Inszenierung, die sowohl die kleinen Zuschauer ab drei Jahren als auch die Eltern und Großeltern mitriss. Und das nicht nur durch die engagierten Zwischenrufe der Kinder und die zahlreichen Gags auf der Bühne. Auch bei den Interaktionen waren alle dabei. Bei der Suche nach dem Pumuckl half der ganze Saal aktiv mit durch Aufstehen, Arme in die Luft und sich im Kreis drehen. Das Highlight war das bei Jung und Älter bekannte Pumuckl-Lied. Christian Beier griff zum Akkordeon und schon schmetterte der ganze Saal „Hurra, Hurra, der Pumuckl ist da!“ Selbst als die Zuschauer beim zweiten Mal Eders Nichte Bärbel das Pumuckl-Lied zu Akkordeon-Begleitung vorsingen sollten gab es keine Texthänger und neben den Kinderstimmen waren lauthals auch erwachsene Bässe und Soprane zu hören.