Heidenheim / Patrick Vetter In Heidenheim gibt es viele junge Techno-DJs. Einer von ihnen ist Kevin Reichelt. Wenn er auflegt, drückt er sich auch künstlerisch aus. Und er sagt: Es gibt einen eigenen Heidenheimer Sound.

Kevin Reichelt, alias „NeoKVN“, legt seit einem Jahr regelmäßig in Heidenheim als Techno-DJ auf. Der 20-Jährige ist engagiert in der Szene: Er ist Teil des „Whild-Stage“-Kollektivs und hat jetzt sogar seine eigene Veranstaltungsreihe „Open-Mouth-Events“ gestartet. Der Heidenheimer kennt seine Kollegen in der Stadt und auch den Heidenheimer Sound. Hinter Technomusik steckt für ihn mehr als nur wilde Partys.

In Heidenheim gibt es einige junge Techno-DJs wie Dich. Machen die alle nur Tanzmusik oder steckt auch ein künstlerischer Anspruch dahinter?

Beides. Ich finde, zu Technomusik kann man sich am besten bewegen. Ich habe Freunde, die sich eigentlich nicht mit Techno auskennen und trotzdem sofort den Takt raushaben. Jeder darf tanzen, wie er möchte. Es gibt keine Vorurteile. Und genau darin steckt die Kunst. Als DJ sehe ich die Leute von vorne, und wenn ich irgendetwas geiles mache – meine Kunst mache – bekomme ich direktes Feedback von der Tanzfläche.

Also ist ein Techno-DJ immer nur in Verbindung mit der tanzenden Menge ein Künstler?

Nein, natürlich nicht. Jeder Tänzer kann für sich schön tanzen, genauso kann ich auch meine Party für mich alleine zu Hause machen. Es geht ja darum, wie man einzelne Lieder verbindet. Damit das passt, muss man sich vorher schon viele Gedanken machen. Die mache ich mir alleine und mache so auch Kunst für mich.

Wird das, was Du machst, von der Menge wertgeschätzt?

Auf jeden Fall. Von manchen, die mit ihren Freunden feiern, nur indirekt, andere schauen wirklich die ganze Zeit hoch zu mir und reagieren dann auch, wenn ich selbst mal lachen muss oder so. Die Leute mitzunehmen, gehört zu meinen Aufgaben. Ich kann zum Beispiel zwischendurch in die Menge rufen.

Also ist ein DJ auch Entertainer?

Ein DJ, der nicht mit den Leuten kommuniziert, ist nur halb so gut wie andere. Man muss die Menge aufheizen und auch mal Augenkontakt herstellen zum Beispiel.

Es gibt keine klassische DJ-Ausbildung an Musikschulen. Wie bist Du dazu gekommen?

Ich bin da über meinen Vater reingerutscht. Der ist schon DJ seit er 15 oder 16 Jahre alt war. Ich bin quasi jeden Tag mit seiner Musik aufgestanden. Mit cirka elf Jahren habe ich angefangen, mit ihm ein bisschen auszuprobieren. Erst vor einem Jahr habe ich dann mein eigenes Equipment gekauft und richtig losgelegt.

Was unterscheidet die Heidenheimer Techno-DJs von denen, die auf den großen Bühnen auflegen?

Ich würde sagen, für den Durchbruch gehört auch ganz viel Glück dazu. Es gibt sicherlich einige sehr gute DJs in Deutschland, die jedes Wochenende nur vor 20 Leuten spielen.

Kann man in Heidenheim von einer DJ-Szene sprechen?

Ja, das kann man. In Heidenheim gibt es schon echt viele DJs. Allein in der Technoszene sind das schon einige, und Hiphop machen ja auch viele. Ich kenne die meisten und habe schon einige dazu gebracht, als DJ anzufangen.

Ein Mischpult ist schnell gekauft. Was gehört noch dazu, um Teil der DJ-Szene in Heidenheim zu sein?

Mitreden kann eigentlich jeder, der möchte. Das ist schwer zu erklären. Sobald man ein paarmal aufgetreten ist, kennen die Leute einen. Das geht recht schnell.

Du bist Mitglied von „Whild Stage“. Was spielt das Kollektiv für eine Rolle in Heidenheim?

Für die Szene und die Vernetzung ist „Whild Stage“ wichtig. Es hat ja alles angefangen mit kleinen Studentenpartys und ist jetzt gefühlt expandiert. Das Kollektiv verkörpert das ganze Techno-Genre. Die Mitglieder malen, machen Musik oder jede andere Art von Kunst. Wir waren nie auf Reichweite aus, sondern wollten nur coole Partys machen.

Gibt es eigentlich einen typischen Heidenheimer Sound?

Ja, den gibt es. Es gibt in Heidenheim weniger DJs, die fröhlichen, hellen Techno spielen, als solche, die dunklen „In-die-Fresse-Techno“ machen. Ich finde persönlich auch, dass man sich auf dunkleren Techno besser austoben kann.

Wieso gibt es Förderprogramme für Kinder, die ein Instrument lernen und klassische Musik spielen, aber keine für junge DJs?

Weil gerade Technomusik von vielen nicht als passende „Musik für Kinder“ angesehen wird. Das liegt eben auch daran, dass auf den meisten Technofeiern Alkohol getrunken wird oder Drogen konsumiert werden. Ich kann Menschen nicht leiden, die sagen: ‚Drogen gehören zu Techno‘, oder anders herum. Ich fände es wichtig, auch Kindern, die keine Ahnung vom Auflegen als DJ haben, da Möglichkeiten zu geben, auszuprobieren. Das sollte gefördert werden. Wenn es dir Spaß macht, kann dich diese Art, Musik zu machen, ein Leben lang begleiten.

Was fasziniert Dich so an Deiner Musik?

Wenn ich Musik mache, fühle ich das gleichzeitig, und wenn die Leute auf der Tanzfläche abgehen, ist das unbeschreiblich.