Der Deutsche Werkbund Baden-Württemberg zeichnet den Heidenheimer Künstler Rainer Jooß mit dem Werkbund Label aus. Der Verein ehrt alle zwei Jahre 11 Künstlerinnen und Künstler oder Projekte in Deutschland mit dem Preis. Anlass für die Auszeichnung ist die dreifache Umgestaltung des Rommel-Denkmals am Zanger Berg in Heidenheim, die Jooß gemeinsam mit der Stadt Heidenheim und weiteren Beteiligten über Jahre hinweg vorbereitet und am 23. Juli 2020 der Öffentlichkeit präsentiert hat.

Preisverleihung im Oktober

Die Auszeichnung wird im Rahmen einer Feierstunde am Freitag, 28. Oktober, im Regierungspräsidium in Karlsruhe verliehen. Seit kurzem informiert der Deutsche Werkbund auf seiner Internetseite über die Erweiterung des Denkmals in Heidenheim und die zehn weiteren Ausgezeichneten. Für Oberbürgermeister Michael Salomo ist die Auszeichnung ein Beleg dafür, dass die zeitgemäße Auseinandersetzung innerhalb der Stadt mit Erwin Rommel richtig und wichtig war und ist. „Die Erweiterung des Kunstwerks erlaubt uns in der Stadt und allen Menschen, die sich mit der Person Erwin Rommel und seinem Wirken beschäftigt, eine zeitgemäße Auseinandersetzung, die das Wissen und die Fakten der aktuellen historischen Forschung widerspiegelt und verständlich darlegt“, sagt Oberbürgermeister Salomo.

Angemessen und notwendig

Heidenheims Oberbürgermeister a.D. Bernhard Ilg, der während seiner Amtszeit die Erweiterung des Denkmals der Öffentlichkeit übergab, hält die Auszeichnung ebenfalls für richtig. Er bezeichnet die Erweiterung des Denkmals als sinnvoll, angemessen und notwendig. „Rainer Jooß hatte vor Jahren ein schlüssiges Konzept entworfen, das den Gemeinderat, die Stadtgesellschaft und auch den Bildhauer Franklin Pühn, Erbauer des ursprünglichen Denkmals, überzeugte. Die Gesellschaft ist damit ihrer Verantwortung nachgekommen, an Vergangenes zu erinnern – statt das Denkmal abzubauen und Vergangenes zu verdrängen.“ "Diese besondere Auszeichnung freut mich natürlich riesig. Aber alle Heidenheimer sollten sich geehrt fühlen, denn zuoft schon haben bei weitaus weniger belasteten Denkmälern betroffene Gemeinden des Anstoßes von außen bedurft – die unzähligen Beteiligten bei diesem Projekt jedoch stammen ausnahmslos aus Heidenheim", sagt der Künstler Rainer Jooß zur bevorstehenden Auszeichnung.

Voith-Azubis wirkten mit

Bestandteil der dreifachen Erweiterung ist zunächst eine Figur eines beinamputierten Minenopfers, die einen Schatten auf das Rommel-Denkmal in Heidenheim wirft und unter Beteiligten der Voith-Auszubildenden entstanden ist. Noch heute werden immer wieder Menschen im heutigen Ägypten, Libyen und Tunesien von Minen verletzt, verstümmelt oder getötet. Jene Minen, die Deutsche Soldaten während des Zweiten Weltkrieges dort ausgelegt haben und die bis heute im Untergrund lauern. Zweiter Pfeiler der Erweiterung war und ist eine unabhängige, zeitgemäße historische Betrachtung des Militärhistorikers Prof. Dr. Wolfram Wette, die in einem Festvortrag mündete. Wette untersuchte darin auch die Frage, ob Erwin Rommel dem militärischen Widerstand gegen Adolf Hitler angehörte und kommt zum Schluss: „Irgendein aktives widerständisches Verhalten konnte für Rommel bis heute von der historischen Forschung nicht belegt werden.“ Der Dreiklang wird vervollständigt über die Website rommel-denkmal.de, die den Dreiklang bündelt und erklärt. Sie bietet zudem Interessierten zur Person und Leben Erwin Rommels – einst Generalfeldmarschall im Dritten Reich – eine fundierte Literaturliste bietet und sich mit Klischees und Halbwahrheiten auseinandersetzt.

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