Giengen / Hans-Peter Leitenberger Dörte Maria Packeiser begeisterte bei der 47. Giengener Orgelmatinée.

Gut 60 Besucher konnten am Sonntagmorgen in der Giengener Stadtkirche ein bemerkenswertes, ja oft aufwühlendes Orgelkonzert erleben. Kirchenmusikdirektorin Dörte Maria Packeiser aus Heidenheim verstand es, mit erlesener Registrierung die faszinierenden Klangmöglichkeiten der Link-Orgel hervorzuheben.

Subtil und voller Spannung erklang Johann Sebastian Bachs Partita „Sei gegrüßet, Jesu gütig“ BWV 768. Flüssig und mit sicherem Gespür für dynamische Ausprägungen gestaltete Packeiser die Abfolge der einzelnen Variationen mit dem Cantus firmus in der rechten Hand bei der Variation 1 und den durchlaufenden Bewegungen als umspielende Choralfiguration in der vierten Variation.

Pointiert erklangen die imitatorisch gestalteten Oberstimmen mit dem Pizzicato-Effekt im Pedal. Leidenschaft und Sensibilität verbanden sich beim Spiel dieser herrlichen Bach-Partita bis zum fünfstimmigen Choral in organo pleno am Schluss. Ein Genuss für Bach-Liebhaber, von einer engagierten Interpretin glänzend dargeboten.

Professor Heinz Wunderlich war der Orgel-Lehrer von Dörte Maria Packeiser. Er wäre heuer 100 Jahre alt geworden. Die monumentale Klangfülle und die erhabene Spannung bei seiner „Introduction und Toccata über den Namen B-A-C-H“, die Ambivalenz der Dynamik und die tonsetzerische Fantasie Wunderlichs wusste seine ehemalige Schülerin mit viel Engagement, aber auch sensibler Gestaltung treffend umzusetzen.

Ob weit ausgreifende Forte-Partien oder bis zu den Grenzen der Wahrnehmung gehende Diminuendi, dazu die sphärisch klingenden Partien hatte Packeiser sozusagen fest im Griff und sie verstand es, die Lebendigkeit und Spannung durch sichere Gestaltung der Tempi hervorzuheben. Bei manchen freitonal klingenden Figuren schien Schönberg durchzublitzen und oft lag eine ernste Schwere in dem faszinierenden Stück, das einmal mehr auch den Klangfarbenreichtum der Orgel deutlich werden ließ.

Max Regers Variationen und Fuge über ein Originalthema fis-Moll op. 73 war ein harter Brocken, sowohl für die Organistin als auch für die Zuhörer. Der triumphale Duktus und die schroffen Ausprägungen der Figurationen mit ihrer scharfen Rhythmik erforderte auch körperliche Anstrengungen, wie Packeiser am Ende gestand, doch sie meisterte souverän das wechselvolle Spiel in allen Schattierungen.

Das Originalthema Regers, ein Andante, erklang nur kurz, um die spektakulären Variationen umso prägnanter wirken zu lassen. Regers Einfälle figurativer, melodischer oder harmonischer Art zeigten den Variationskünstler, der oft den tonalen Bereich verließ und mit furiosen Clustern aufwartete. Bei der Fuge wurde Regers Gespür für ein dichtes, konzentriertes Satzgewebe noch einmal deutlich. Ein Stück Schwerarbeit mit lebhaften dynamischen Wechseln und Temporückungen, das Packeiser souverän meisterte und für das ihr verdientermaßen respektvoller Beifall zuteil wurde.