Heidenheim / Patrick Vetter Zum zweiten Mal baut die Firma IVH die Kulisse für die Opernfestspiele. Eigentlich fertigen die „Kistenspezialisten“ Boxen für den Versand.

Wie bekommt man eine 15 auf 4,50 Meter große Holzfläche in den Rittersaal? Wie stellt man sie dort auf und wie baut man eine zweite identische Platte ins Congress-Centrum? Diese Fragen beantwortet das Mergelstetter Unternehmen IVH dieses Jahr wieder für die Opernfestspiele. Eigentlich baut IVH Kisten für den Versand spezieller Waren und kümmert sich darum, dass diese ordnungsgemäß an ihrem Bestimmungsort ankommen. Deshalb nennt sich das Team auch die „Kistenspezialisten“, und deshalb wurden die Opernfestspiele schon 2017 auf die Logistiker aufmerksam, als es galt, große Holzkisten für das Bühnenbild des fliegenden Holländers zu bauen.

„Pique Dame“ hat wieder ein Bühnenbild aus Holz und wieder ist IVH im Spiel. Diesmal sind die Anforderungen an das Team aber ganz andere. Das Bühnenbild besteht im Prinzip aus einer großen Fläche mit acht Aussparungen für acht Türen. Die Mitte wurde schwarz tapeziert, an den Seiten sind zwei weitere Flächen links mit bunter Tapete und rechts mit Holzlatten ausgekleidet. „Das Schwere war das genaue Arbeiten“, sagt Geschäftsführer Peter Hoffmann-Pichler. Er schaut zufrieden an der schwarz glänzenden Tapete entlang: „Das musste alles glatt sein. Das Böse ist das Schräglicht. Da sieht man jede Unebenheit“, erklärt er. Um solche Unebenheiten zu vermeiden, verwendete das Team 4,50 Meter hohe Holzplatten, die die gesamte Höhe der Kulisse überspannen. So gibt es keine störenden Spalte auf halber Höhe. „Solche Platten gibt es nicht einfach im Baumarkt.“

Bildergalerie Heidenheimer Opernfestpiele: „Pique Dame“

Nach dem zweiten Projekt der IVH für die Opernfestspiele redet Hoffmann-Pichler schon fast wie ein Bühnenbildner und nicht mehr wie ein Handwerker. Trotzdem versuchen er und sein Team die Vorstellungen von Bühnenbildnerin Britta Tönne so genau wie möglich umzusetzen. Die können sich allerdings zwischendurch auch mal ändern: „Im Januar haben wir angefangen zu besprechen, wie das Bühnenbild aussehen soll und was möglich ist“, erinnert sich Hoffmann-Pichler daran, wann die Kooperation dieses Jahr begann.

An nur einem Tag in den Rittersaal

„Die Platten waren eigentlich weiß. Wir haben alles so verschraubt, dass man von vorne nichts von unserer Arbeit sieht. Der erste Plan war, dass die weiße Fläche vorne sichtbar ist“, berichtet Martin Hihn von den Montagearbeiten im Mai. Zusammen mit Manuel Bantel und Reiner Wiedemann baute er die Kulisse an nur einem Tag in den Rittersaal. Gerade so passten die Einzelteile durch die Tür auf der Westseite des Rittersaals. Mit vereinten Kräften mussten die knapp 100 Kilogramm schweren Holzplatten dann aufgerichtet und an einem Traversengerüst befestigt werden. Während des verregneten Aufbaus kam es fast zu einem Unfall. Eine Platte kippte um und touchierte einen IVH-Mitarbeiter am Arm.

Jetzt verdeckt die Tapete die weiße Wand. „Normalerweise mache ich das anders. Am Anfang wird alles durchgeplant, und daran halte ich mich. Diesmal haben wir das nicht geschafft“, erklärt Tönne, wie ihre Bühnen entstehen. Für sie ist der Bühnenbau Routine, für die IVH noch nicht: „Es ist mal was ganz anderes, mit Künstlern zu arbeiten“, sagt Firmeninhaber Dieter Pichler.

Der Unterschied liege in der Herangehensweise. „Es geht um Optik, Machbarkeit und Budget“, sagt Hoffmann-Pichler – und zwar in dieser Reihenfolge. Es werde immer erst mal überlegt, was man genau haben möchte und wie sich das machen lässt. Erst am Ende kommen dann die Verantwortlichen der Stadt und fragen, wie viel das ganze kosten soll. „Wir haben vor zwei Jahren schon über einen Hubschrauber nachgedacht, aber das ging natürlich nicht“, erinnert sich der Geschäftsführer.

„Natürlich ist das mal eine ganz neue Sache. Für die Firma ist das Bauen des Bühnenbilds aber auch ein finanzielles Engagement“, sagt Firmeninhaber Dieter Pichler. An dem Aufbau des Bühnenbildes verdient die IVH am Ende nämlich nichts, allerdings habe er sich über den Auftrag sehr gefreut: „Wir wollten das machen. Die Frage war nur, wie man es umsetzen kann.“ Auch für Geschäftsführer Hoffmann-Pichler ist der Bau der Kulisse mehr als ein reines Prestigeprojekt: „Es war schön, dass wir wieder ein kleines Puzzleteil des Ganzen sein durften.“

Erstmals wirken ortsansässige Handwerker beim Bühnenbild für die Opernfestspiele mit: Die Verpackungsfirma IVH aus Mergelstetten hat einen Containerhafen aus Holz produziert.

Kisten für 120 Tonnen Last

Das Verpackungsunternehmen fertigt eigentlich keine Bühnenbilder, sondern entwirft Versandmöglichkeiten für spezielle Produkte, für Unikate, die sicher ankommen müssen. „Wir können nicht einfach ins Lager zurück und neue Produkte holen, falls ein Unfall passiert. Es darf nichts kaputtgehen“, sagt Firmeninhaber Dieter Pichler.

Die IVH kümmert sich um die maßangefertigte Verpackung aus Holz, den Versand und die Dokumentation. „Wir können an einem Tag in London sein“, sagt Geschäftsführer Hoffmann-Pichler. Das Unternehmen hat schon Glasscheiben in der Größe des Opern-Bühnenbilds, Frachten mit 120 Tonnen Gewicht oder Fassaden für Firmenhauptsitze transportiert.