Ulm / hz 100 Jahre blieb Charles Tournemires „La Légende de Tristan“ unentdeckt. Jetzt wird das Werk am Ulmer Theater uraufgeführt.

Mit der Uraufführung der Oper „La Légende de Tristan“ präsentiert das Theater Ulm demnächst eine veritable Musiktheater-Entdeckung: Im Frühjahr 2020 ist damit ein Werk erstmals zu erleben, das 100 Jahre auf seine Erweckung auf der Bühne warten musste. Zu unrecht, wie man in Ulm meint: Denn die um 1920 entstandene Oper des französischen Komponisten Charles Tournemire (1870-1939) sei von hohem inhaltlichen und klanglichen Reiz, sagt Intendant Kay Metzger.

Charles Tournemire war ein begnadeter Orgelvirtuose und ist vor allem dank zahlreicher Kompositionen für Orgel und sinfonischer Werke nicht nur musikhistorisch relevant, sondern bis heute in Konzerten präsent. Seine Tristan-Oper allerdings blieb bislang unveröffentlicht und unaufgeführt. Intendant Kay Metzger erkannte beim Sondieren des in Paris aufbewahrten musikalischen Materials rasch Potential: „Es ist ein exzeptionelles Werk, das es endlich aufzuführen gilt.“ Handschriftlich lagen Klavierauszug und Partitur vor, am Theater Ulm wurden sie ediert.

Der Tristan-Mythos erhält von Tournemire eine gänzlich andere musikalische und gedankliche Prägung als jene, die Richard Wagner in seinem epochalen Werk vorgab. Tournemire war in seiner Arbeit zunächst der Musiksprache seines Lehrers Cèsar Franck verpflichtet und zuweilen inspiriert von der gregorianischen Klangwelt.

Mit der Uraufführung von „La Légende de Tristan“ will das Theater Ulm anlässlich des 150. Geburtstags von Charles Tournemire hierfür einen wichtigen Beitrag leisten. Die musikalische Leitung der Ulmer Uraufführung liegt in den Händen von Generalmusikdirektor Timo Handschuh, die Inszenierung übernimmt Intendant Kay Metzger, die Ausstattung verantwortet Michael Heinrich, Premiere wird am Donnerstag, 7. Mai, sein.