Heidenheim / Patrick Vetter Am Sonntag trat Nena beim Heidenheimer Festival auf. Der prasselnde Regen konnte die Laune der Fans nicht wegwaschen – Nena selbst freute sich über jeden Tropfen.

Tag zwei des Brenzpark-Festivals: Und pünktlich mit dem Regen beginnt auch die Musik. Nenas Vorband „Lupid“ begann zu spielen, kurz nachdem sich auf dem Platz im Brenzpark ein Meer aus Regenschirmen aufgespannt hatte. Die Songs der Gruppe erinnerten an das Geschehen auf der Bühne am Freitag zuvor: Textlich und musikalisch waren die vier jungen Männer nah an Mark Forster und seiner Band.

Umso stärker unterschied sich das Publikum. Der Altersschnitt dürfte am Sonntag über ein Jahrzehnt mehr betragen haben. In Regenjacken warteten die rund 2500 Fans auf Nena und die altbekannten Hits der 59-jährigen Sängerin. Geschützt von durchsichtigen Regenponchos aus Plastik stand die Menge auf der matschiger werdenden Wiese. Festivalatmosphäre pur. Noch einmal wurde das Wasser von der Bühne gewischt, dann tauchte Nena schließlich über den Regenschirmen auf.

Schon beim ersten Lied „Es ist in Ordnung“ tanzte, sprang und hüpfte sie aus dem geschützten Teil der Bühne hervor auf den Steg zwischen die Fans: Genauso nass wie ihr Publikum, und das Publikum genauso gut drauf wie sie. „Es regnet und ich liebe es. Solange Wasser vom Himmel fällt, wächst das Gras“, stimmte sie die Zuhörer positiv.

Oldies am laufenden Band

Die ließen sich auch nicht unterkriegen und schmetterten Nena den Refrain von „Nur geträumt“ entgegen. Die Künstlerin trug ein Shirt mit dem Titel des Songs, der 1982 einer ihrer ersten erfolgreichen Lieder war. Mit „Rette mich“, „Haus der drei Sonnen“ und „Fragezeichen“ war auch unter den folgenden Stücken keines, das jünger als 15 Jahre ist. Die Menge war begeistert. Die Sängerin war mit voller Leidenschaft dabei. Bei ihrer Darbietung konnte sie sich auf ihre Band verlassen – auch bei spontanen kurzfristigen Änderungen des Sets.

Auf drei Ebenen verteilten sich die Musiker auf der Bühne. Effektvoll spielten Bassist und Gitarrist auf glänzenden Instrumenten. Mit Glitzersteinen besetzt, reflektierten sie das Licht der Scheinwerfer. Nur von Nenas Gitarre höchstpersönlich wurden die beiden ausgestochen: LED-Lichter blitzten auf dem Instrument und machten die Leadsängerin selbst zum Scheinwerfer. Gesanglich profitierte die Band von Nenas Sohn Sakias Kerner. Mit klarer, durchdringender Stimme löste er seine Mutter für ein Lied ab: Er sang „Weißes Schiff“ bewegend und sauber, bevor er die Bühne wieder Nena überließ. Das Publikum freute sich auf ganz bestimmte Lieder besonders und zeigte das auch. Nach den ersten Tönen auf dem Akkordeon von „Wunder geschehen“ begannen sie bereits zu jubeln. Bei „Leuchtturm“ und „99 Luftballons“ brauchte die Legende des deutschen Rock überhaupt nicht probieren, allein zu singen. Sie wurde durchgehend von der durchnässten Menge unterstützt. Und nass und rutschig wurde es auch auf der Bühne, wie ein Sturz und die tropfenden Haare der Künstler bewiesen. Sängerin und Musiker kamen immer wieder zu den Fans in den Regen – ohne Rücksicht auf Mikrofone oder Instrumente.

Mutter und Sohn vereint

Im anhaltenden Regen forderten die Besucher eine Zugabe. Nach dem Song „Genau Jetzt“ vom 2015 erschienen Album „Oldschool“ spielte die Band auch endlich noch den fehlenden Hit „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“, und verleitete das Publikum einmal mehr zum Mitsingen des bekannten Texts. Bei der Strahlkraft der alternden Deutschrockerin erwartete man fast, einen Regenbogen in den Tropfen vor der Bühne zu sehen.

Alter Hit in neuer Manier

Der blieb zwar aus, doch die Regenschleier wurden in grünes, gelbes und rotes Licht getaucht. Und Nena bekam erneut Unterstützung von Sakias: Gemeinsam sangen Mutter und Sohn noch einmal die Zeilen „Gib mir die Hand, ich bau dir ein Schloss aus Sand...“, aber diesmal auf einen Reggae-Beat. So wurde aus dem alten Song noch mal eine interessante Neuinterpretation. Mit den Händen bis zum Boden verneigte sich Nena vor dem Heidenheimer Publikum. So wie der Regen zu Konzertbeginn eingesetzt hatte, so wurde er mit der letzten Zugabe wieder weggespielt. Nasse Fans konnten sich auf einen trockenen Heimweg machen.

Bildergalerie Nena im Heidenheimer Brenzpark

Ein Abendessen mit Nena

Siggi Schwarz, Gitarrist und Veranstalter des Festivals im Brenzpark, lernte während seiner langen Karriere als Musiker die deutsche und internationale Musikszene kennen. Über seinen ehemaligen Gitarrenladen kam er mit einigen der erfolgreichsten Gitarristen und Musiker in Verbindung.

Auch Nena lernte er noch vor dem großen Hit „99 Luftballons“ kennen. Mit 22 Jahren spielte er auf der gleichen Bühne wie ihre damalige Band „The Stripes“. Außerdem kannte er einen ehemaligen Freund der Sängerin, und aß auch schon mit Nena zu Abend.