Heidenheim / Joelle Schilk Zum 100-jährigen Bestehen hat sich das Amateurtheater den Stücken „West Side Story“ und „Herr der Diebe“ angenommen und damit selbst diejenigen überzeugt, die sich anfangs kritisch gezeigt hatten. Eine Bilanz.

Absolut jubiläumswürdig. Eine super Auslastung. Und die Stimmung, der Enthusiasmus, mit dem das gesamte Team am Werke war – das darf nächstes Jahr so gerne wiederholt werden. Mit diesen knappen Worten lässt sich die diesjährige Saison des Naturtheaters auf dem Schlossberg ganz gut auf den Punkt bringen – eine Saison, die es in sich hatte und die zugleich eine ganz besondere war. 100 Jahre alt wird man schließlich nur einmal.

Den feierlichen Rahmen für die eigentliche Party boten die beiden Sommerstücke: 18 Mal ging, nein vielmehr tanzte die „West Side Story“ über die Bühne, 17 Mal war der „Herr der Diebe“ zu sehen. „Was mich begeistert hat, war der Zusammenhalt aller Mitglieder. Das habe ich so in der ganzen Zeit, die ich nun schon im Naturtheater bin, noch nie erlebt“, sagt Vorsitzender Norbert Pfisterer rückblickend. Und Beiratsmitglied Marita Kasischke ergänzt: „Ich glaube, zu den Stücken selbst muss man nicht viel sagen. Das Publikum war begeistert, das haben wir immer wieder gehört. Und das macht sich natürlich auch in der Auslastung bemerkbar.“

„West Side Story“: über 100 Prozent

Mit 18 787 Besuchern insgesamt und durchschnittlich 1044 Gästen pro Vorstellung kommt die „West Side Story“ auf eine Auslastung von 101,7 Prozent. Wie das überhaupt möglich ist? Ganz einfach: Die Nachfrage war so groß, dass auch die hinteren Bankplätze teilweise mitverkauft wurden, die ja nicht als offizielle Sitzplätze gezählt werden. Bei dem Kinderstück „Herr der Diebe“ waren es insgesamt 16 685 Besucher, was pro Vorstellung im Schnitt 981 Gäste und am Ende eine Auslastung von sehr guten 95,7 Prozent ergibt. Über die gesamte Saison hinweg haben also 35 472 Theaterbegeisterte den Weg zum Schlossberg hinauf gefunden und sich mit Prosper und Bo in Venedig vergnügt oder mit Tony und Maria in New York mitgefühlt. „Ich habe so viele positive Rückmeldungen bekommen wie sonst selten. Und das, obwohl es im Vorfeld sowohl inner- als auch außerhalb des Vereins nicht wenige Kritiker gab, besonders im Hinblick auf die anspruchsvollen Gesangs- und Tanzpartien“, sagt Pfisterer. Eine rundum zufriedenstellende Saison also, die mal wieder gezeigt habe, wie es das Naturtheater überhaupt erst schaffen konnte, 100 Jahre alt zu werden.

Eine Woche lang Geburtstagsparty

Haupt- und Kinderstück gelten jedoch, selbst wenn es solch aufwendige Musical-Produktionen wie dieses Jahr sind, als das „ganz normale Naturtheater-Programm“ – die eigentliche Geburtstagsfeier fand im Rahmen einer Festwoche im Juli statt. Mit sieben Veranstaltungen plus Festakt zu Beginn wurde das stolze Alter des Theaters gewürdigt. „Bei den Besucherzahlen hätten wir uns da etwas mehr gewünscht, aber vom Programm waren alle begeistert“, so Kasischke.

Mit einer Auslastung von 52 Prozent und durchschnittlich 525 Besuchern pro Veranstaltung wäre tatsächlich noch Luft nach oben gewesen – einziger Ausreißer diesbezüglich war der „Poetry Slam“ im Naturtheater, der dort zum allerersten Mal stattfand und gleich mal ausverkauft war. „Das war ein kleines Highlight, würde ich sagen, denn damit haben wir auch Besucher ins Naturtheater gelockt, die sonst nicht hier sind“, sagt Kasischke. Wiederholungsbedarf? Unbedingt.

Gern gesehen waren auch „Herrn Stumpfes Zieh & Zupf Kapelle“ gemeinsam mit „Fools Garden“ (702 Besucher) und die Musical Night (700 Besucher) – „die anderen kamen auch gut an, waren aber weniger gut besucht“, so Kasischke. Etwas traurig zeigt sie sich darüber, dass das Stück „. . . und einig wollen wir handeln“ hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei, was das Publikumsinteresse betrifft. „Darin wurde die Vereinsgeschichte wunderbar aufgearbeitet, aber es waren einfach sehr wenige Besucher.“

Ruhe vor dem nächsten Stück

Und nun, wenn in Maske und Technik alles ruhig ist und die Bühne menschenleer? „Naja, es war eine anstrengende Saison. Wir gehen da immer mit gemischten Gefühlen raus: Einerseits ist man froh, mal wieder ein freies Wochenende zu haben, andererseits schwingt Wehmut mit, weil wir wirklich viel Spaß dort oben hatten“, so Kasischke.

Doch die Ruhe ist dringend nötig. Immerhin hatten viele Helfer in der Maske, der Technik und im Service sozusagen durchgehend eine Vier-Tage-Woche, und das über Monate. „Naja, und dann stehen eben auch schon wieder Herbststück und Wintermärchen in den Startlöchern“, sagt Kasischke. Ab 11. Oktober wird „Noch ist Polen nicht verloren“ unter der Regie von Karsten Tanzmann aufgeführt, am 30. November folgt dann, sozusagen passend zur ersten Mondlandung vor 50 Jahren, das Stück „Peterchens Mondfahrt“, inszeniert von Jonas Hirschberger und Axel Ostermayer.

Herbststück und Wintermärchen 2019 und Ausblick auf 2020

Als Herbststück 2019 wird „Noch ist Polen nicht verloren“ von Jürgen Hofmann gespielt, basierend auf dem Filmscript von Melchior Lengyel zu „Sein oder Nichtsein“ von Ernst Lubitsch. Die Aufführungen finden statt von 11. bis 26. Oktober. Regie führt Karsten Tanzmann. Es geht um das Stadttheater Posen, das 1939 vom Einmarsch der Nazis in Polen überrascht wird und mit Ausbruch des Krieges mitsamt dem Ensemble zur Keimzelle einer Widerstandsgruppe wird.

Wintermärchen wird dieses Jahr „Peterchens Mondfahrt“ nach Gerd von Bassewitz sein. Gespielt wird dieses vom 30. November bis 21. Dezember. Darin geht es um einen Urahn einer Maikäfer-Familie, der auf der Suche nach seinem sechsten Beinchen ist, welches ihm von einem Holzdieb abgeschlagen wurde. Die Reise führt ihn schließlich bis zum Mond.

Tickets für das Wintermärchen gibt es im Ticketshop und den Geschäftsstellen der Heidenheimer Zeitung sowie in der Tourist-Information Heidenheim und vor Ort im Naturtheater.

2020 wird „Der Graf von Monte Christo“ und „Sams“ zu sehen sein. Der Vorverkauf startet am 2. Dezember.