Groß ist die Bestürzung im Naturtheater Heidenheim über den Tod eines Mitglieds, der die Bezeichnung Urgestein wohl wie kein anderer verdient: Herbert Lillie ist im Alter von 86 Jahren gestorben.

Von Kindheit an war Herbert Lillie mit dem Naturtheater verwachsen, war sein Vater Emil Lillie doch als ein Mann der ersten Stunde anzusehen, der, seit er 1925 in den Spielausschuss gewählt wurde, fortan stets in großen Rollen auf der Bühne, aber auch im Regiestuhl anzutreffen war. Emil Lillie war es auch, der Regie bei der ersten Inszenierung nach dem Zweiten Weltkrieg „Das tapfere Schneiderlein“ führte.

Dabei war es seine Wandlungsfähigkeit, die ihn zum begehrten Spieler machte. Er war der „Boandlkramer“ im ersten „Brandner Kasper“ des Naturtheaters, er verkörperte den „Tiger Brown“ in der „Dreigroschenoper“, er spielte den Ganoven Fiscur in „Liliom“, unvergessen ist sein Professor Higgins in „My fair Lady“ 1990, um nur ein paar seiner unterschiedlichen Rollen zu nennen. Und er spielte den Staufacher im bisher letzten „Wilhelm Tell“ 1986, eine Rolle, die auch sein Vater beim allerersten Tell im Naturtheater 1924 inne hatte. Zeitlebens einen großen Stellenwert in seinen Erinnerungen hatte seine Rolle als Junker Bleichenwang in „Was ihr wollt“, dem ersten Shakespeare-Stück im Naturtheater. Shakespeare sollte auch seine letzte Rolle auf der Bühne bestimmen: 1997 war Herbert Lillie, der zudem über 40 Jahre im Anzeigenmarkt der Heidenheimer Zeitung tätig war, als König Claudius in „Hamlet“ zu sehen.

Schauspieler und Regisseur

Herbert Lillie führte auch Regie: Unter seiner Leitung entstand so manches Stück im Saal, aber auch auf der Freilichtbühne, für die er Zuckmayers „fröhlichen Weinberg“, aber auch Otfried Preußlers „kleine Hexe“ einrichtete. Lillie war im Verein allseits geschätzt, sein kreativer und durchaus keine Auseinandersetzung scheuender Geist haben den Verein in guten wie in schlechten Zeiten getragen. Mit Herbert Lillie geht ein gewichtiges Stück Naturtheatergeschichte.

Solange es seine Beschwerden im Alter erlaubten, nahm Herbert Lillie Anteil am Naturtheatergeschehen. Was für ihn nicht nur bedeutete, die Inszenierungen anzusehen, sondern auch bei den Proben hereinzuschauen. Den 100. Geburtstag „seines“ Vereins konnte er noch miterleben, wie er auch dessen Lockdown durch Corona verfolgen musste. Am 22. Dezember nun ist Herbert Lillie selbst an den Folgen von Corona gestorben. Sein Platz in der Geschichte des Naturtheaters ist ihm sicher.