Königsbronn / Jana Thiele Zum Ausklang des Musiksommers in Königsbronn gab’s in der Klosterkirche einen Stummfilm mit Buster Keaton und dazu Live-Musik.

Buster Keatons Stummfilm „Steamboat Bill Jr.“ mit Orgelbegleitung stand am letzte Abend des Königsbronner Konzertsommers auf dem Programm. Und so wurde die kleine Klosterkirche für einen Abend zu einem etwas anderen Kinosaal.

Nach dem Glockenläuten um Punkt 19 Uhr ging es los. Der schwarz-weiße Vorspann läuft ab – und Organist Andreas Benz beginnt mit sanften Tönen sein Spiel. In der Klosterkirche gab es zwar kein Popcorn, aber die große Leinwand vor dem Altar und die roten Sitzauflagen auf den Bänken ließen Kinoatmosphäre aufkommen.

Kapitäne und Konkurrenten

Die Stummfilmkomödie von 1928 ist ein Film für Jung und Alt. Und so versammelten sich rund 100 Filmbegeisterte vom Kind mit Kuscheltier bis zur Großmutter mit Gehhilfe.

Die Handlung des Films ist simpel. Es gibt vier Hauptpersonen: zwei Dampfschiffkapitäne, den bärbeißigen Kapitän Bill Senior und der neureiche Bankier Mr. King. Beide sind Dampfschiffbesitzer und somit Konkurrenten. Als Bill Junior, der seinen Vater noch nie gesehen hat, nach Hause kommt und sich nach und nach in Mr. Kings Tochter Kitty verliebt, kommt so einiges durcheinander. Kleine überspitzte Handlungen sorgten im Publikum für große Lacher. Nicht zuletzt, weil die Orgelbegleitung diese Handlungen musikalisch verstärkt. Genau das macht eine Stummfilmbegleitung aus.

Live-Musik zum Film erzeugt eine ganz besondere Atmosphäre. Hier werden Kino und Konzerterlebnis miteinander vereint. „Wichtig ist aber immer, dass die Musik nie lauter als der Film ist“, sagt Andreas Benz. Das heißt, die Musik darf nicht vom Film ablenken sondern soll einen unterstützenden Charakter haben. Das Beste ist, wenn das Publikum den Organist gar nicht mehr wahrnimmt. Noten gibt es deshalb nicht. Die Musik ist komplett improvisiert. Durch einen Spiegel neben der Orgel kann Benz den Film sehen und sein Spiel darauf zuschneiden. „Den Anfang überlege ich mir schon meistens, bevor ich spiele. Und wenn ich einen Film öfters begleite, gibt es da schon ein oder zwei Themen, die ich wieder verwende. Was aber dazwischen passiert, ist immer improvisiert.“

Präzise und auf den Punkt

Unheimlich präzise und auf den Punkt spielt Benz die etwas andere Filmmusik. Hier erkennt man wieder, wie klangreich das Instrument Orgel sein kann. Von hohen schrillen bis hin zu leisen sanften Klängen entlockt Benz seinem Instrument alle Klangfarben. Bei Regen und Sturm erklingen chromatische aufwärts- und abwärtssteigende Tonleitern, beim Einlaufen der Eisenbahn spielt Benz viele tiefe Töne gleichzeitig und bei Streit und Schlägereien ertönen dramatisch laute und hohe Töne. Auch die Unbeschwertheit und Tollpatschigkeit von Buster Keaton wird immer wieder von leiser, tänzerischer Musik in Mitteltonlage ummalt.

Klassische Hochzeitsmelodien lassen dann auf ein Happy End schließen. Denn auch dieser Film geht gut aus: Als ein Wirbelsturm die Kleinstadt in Trümmer legt, zeigt sich, dass der Tollpatsch auch ein Held sein kann.

Nächstes Jahr, nächster Musiksommer

„Wir sind zufrieden“, sagen Musikschulleiter Andreas Hug und Pfarrer Christoph Burgenmeister unisono. Und weil das so ist, werden die Macher des Königsbronner Musiksommers auch im kommenden Jahr in Aktion treten. „Da habe ich schon allein deshalb Lust drauf“, sagt Musikschulleiter Hug, „weil ich erlebt habe, welche Freude das Publikums jeweils hatte.“ Rund 600 Besucher insgesamt waren bei den sieben Konzerten an sieben Tagen gezählt worden.