Zur Einstimmung ins Konzert des Jungen Kammerchores Ostwürttemberg (JKO) wünschte Landrat Peter Polta, Vorsitzender des Chors, dem Publikum in der Giengener Stadtkirche „viel Vergnügen“. Und genau dafür sorgte das Ensemble bereits von Anfang an mit dem ersten Konzertwerk des Abends „Cantate Domino“ von Hans Leo Hassler. Der Abend mit seinem schwedischen Programm stand unter dem Titel „Musik för sommaren“.

Im ersten Konzertteil unter dem sicheren und professionellen Dirigat von Chorleiter Thomas Baur ging es weiter mit dem schwedischen Werk „Jordens oro viker“ von Ludvig Norman. Es folgte ein abwechslungsreiches Programm aus mehreren Jahrhunderten Vokalliteratur, darunter auch rhythmisch, flotte Werke wie „Cantate Domino“ von Javier Busto und „Gloria“ von Martin Ramroth.

Inspirierende Konzertreise

Nach der Pause hatte der JKO noch mehr original schwedische Chorliteratur im Gepäck von seiner inspirierenden Konzertreise nach Göteborg, von der der JKO erst vor wenigen Tagen heimgekehrt war. Die JKO-Männerstimmen trugen zu Beginn des zweiten Konzertteils ein schwedisches, reines Männerchorstück eigenständig ohne Chorleitung vor. Ein echtes schwedisches Souvenir – wie dies Bass-Sänger Christian Glass in seiner anschließenden Ansprache formulierte. Die dreizehn talentierten Sänger standen dabei inmitten der Stadtkirche, formten einen Sängerkreis und sangen den 1. Satz „Refräng“ aus dem Werk „Tre eroiska sånger“. Die Männer wollten dieses weltliche Stück unbedingt zusätzlich zum bereits geplanten Konzertprogramm präsentieren, denn genau dieses schwedische Werk hätte im vergangenen Winterprojekt im Januar zur Aufführung kommen sollen, hätte nicht Corona den JKO am Ende der Probenphase zum Abbruch des gesamten Projektes gezwungen.

Wie bekannt, pflegt Chorleiterin Maddalena Ernst mit ihrem äußerst präsenten und eleganten Dirigat eine enge musikalische Verbindung zum JKO und besitzt eine große Empathie für die Bedürfnisse der Chorleute während des Auftritts. Dass sie zusätzlich eine große musikalische Offenheit bezüglich der Programmgestaltung an den Tag legt, zeigte sich in einer zweiten kurzfristigen Programmänderung auf Wunsch der JKO-Chorleute. Die schwedische Volksweise „Uti vår hage“ wurde in Göteborg gemeinsam mit dem Partnerchor der Brunnsbo Skolan aufgeführt. In Schweden ist das Stück so populär, dass in den drei dortigen Konzerten das Publikum begeistert mitsang. Auch in Giengen lauschte das Publikum der schönen und eingängigen Melodie dieses zweiten schwedischen Souvenirs. Man spürte deutlich, dass die knapp 40 Chorleute beim Vortragen die Eindrücke der Konzertreise noch verinnerlicht hatten. Das übertrug sich weiter auf die anschließenden Werke „Morgengesang“ von Max Reger und „Nunc dimitis“ von Gustav Holst.

Musikalisches Highlight

Einen absoluten musikalischen Höhepunkt hatte sich der JKO für den Abschluss aufgehoben. Es war die deutschlandweite Uraufführung der Komposition „Hoppet“ (deutsch: „Hoffnung“). Der JKO hat das Werk beim in Schweden lebenden Komponist Jonas Müthing Baetge in Auftrag gegeben. Im Stück werden ein Gedicht des zeitgenössischen schwedischen Lyrikers Göran Hansson, das die Menschen auffordert, Gewalt und Zerstörung zu beenden und die Erde und das Leben zu schützen, sowie biblische Friedensbotschaften vertont. Es bewegte Publikum und Chorleute gleichermaßen, nicht nur wegen der brandaktuellen Inhalte, sondern vor allem durch die professionell vorgetragenen, emotionalen Solis und der raffinierten Melodieführung. Der Komponist selbst hatte dem JKO den finalen, anspruchsvollen Feinschliff in Göteborg gegeben.

Das Publikum applaudierte mehrfach und erhob sich zu „Standing Ovations“. Besonders beklatscht wurden die JKO-eigenen Solisten des Abends: Hannah Rube, Solveig Seibert, Katja Wagemann, Antonia Winkler, Kevin Blata, Felix Eickelmann, Jakob Schmid, Michael Wilsch und Georg Zimmermann. Die Anwesenden – JKO und Publikum – hatten, wie von Landrat Peter Polta zu Konzertbeginn auf den Weg gegeben, sehr viel Vergnügen bei einem musikalisch außerordentlich hochwertigen Konzertabend in der für Vokalmusik hervorragend geeigneten Giengener Stadtkirche.