Wo die Oper ist, ist mitunter auch der Wahnsinn nicht weit. Zumindest spielt er in diversen Fällen eine Rolle, indem er Besitz von einer der Hauptfiguren der Handlung ergreift. Oft singen diese dann auch sofort eine sogenannte Wahnsinnsarie, von denen es gar nicht so wenige in der Opernliteratur gibt. Und die berühmteste aller Wahnsinnsarien ist zweifellos die, die die Titelheldin in Gaetano Donizettis Belcanto-Reißer „Lucia di Lammermoor“ singt.

„Lucia di Lammermoor“ steht nun auf dem Spielplan des Met-Kinos und wird am Samstag, 21. Mai, aus der Metropolitan Opera in New York auch live ins Kino-Center nach Heidenheim übertragen. Los geht’s dort um 19 Uhr.

„Lucia di Lammermoor“ basiert auf einem in Schottland angesiedelten Roman von Walter Scott, der die Tragödie einer Liebe erzählt, der Liebe zwischen Lucia und Edgardo, in der Oper eine Koloratursopranistin und ein Tenor, denen der Komponist spektakuläre Höchstleistungen abverlangt, bei denen es selbst den Hörern schwindlig werden kann.

Gaetano Donizetti war als Opernkomponist sicherlich einer der besten Alleskönner, der die Komödie ebenso brillant beherrschte wie die Tragödie. Mit ihm ging das Zeitalter des Belcanto zu Ende, den Donizetti selbstverständlich noch virtuos handhabte. Sein Ende, an dem er, wenn man so will, dem Wahnsinn persönlich begegnete, war kein schönes, er starb, gerade mal 50-jährig, 1848 an den sehr späten Folgen einer Syphilis, weshalb er schon einige Zeit zuvor im Irrenhaus hatte verbringen müssen. Und so wie der seines ebenfalls alles andere als unbekannten Kollegen Joseph Haydn, welcher 1809 verstorben war, lag der Leichnam Donizettis, ehe dies entdeckt wurde, jahrelang ohne Kopf im Grab.

Gaetano Donizetti stammte aus ärmsten Verhältnissen, sein Elternhaus im damals vor den Mauern Bergamos gelegenen Borgo Canale bestand aus nichts weiter als zwei Kellerräumen. Donizetti schämte sich seiner Herkunft zeitlebens. Vater und Mutter hatten striktes Verbot, die Premieren der Opern ihres Sohnes zu besuchen. Auch zu dessen Hochzeit waren sie nicht geladen, sondern wurden von dem Ereignis nachträglich in einem Brief informiert.

Lang ist’s her übrigens, dass „Lucia di Lammermoor“ in Heidenheim zu erleben war; 1990 und 1991 stand das Koloraturgewitter in zwei Sommern auf dem Spielplan der Opernfestspiele.

Eintrittskarten für die Vorstellung des Met-Kinos sind in Heidenheim an der Kinokasse im Kino-Center und im „Capitol“, per Mail unter oper@kino-hdh.de oder auch telefonisch unter der Rufnummer 07321.93540 (vormittags von 8.30 bis 12.30 Uhr) erhältlich.