Vincent und Emily miteinander zu beobachten, macht richtig Vergnügen: Sie plaudern, sie wenden sich einander zu und lassen doch ihr Umfeld nie außer Acht, sondern reagieren auf entsprechende Impulse. Vincent und Emily sind ein besonderes Pärchen: Denn es sind keine Menschen, sondern eine besondere Art von Robotern. Gefertigt aus elastischen Metallstäben, Sensoren, Motoren und einer Wärmebildkamera sorgen sie doch dafür, dass sich der Betrachter sofort menschlich berührt fühlt, wenn sie sich ihm zuneigen.

Vincent und Emily sind aber vor allem eines: Ein Kunstobjekt von Carolin Liebl und Nikolas Schmid-Pfähler. Und letzteres Künstlerduo wurde am Donnerstagabend mit dem ersten Kunstpreis des Kunstvereins Heidenheim ausgezeichnet. Erstmals wurde dieser Preis verliehen, der in Zusammenarbeit mit der Firma Voith und der Hanns-Voith-Stiftung realisiert wurde. Überreicht wurde er denn auch von dem Voith-Vorsitzendem Dr. Toralf Haag und von Meinrad Schad, dem Geschäftsführer der Hanns-Voith-Stiftung.

Konkurrenz war groß

Die Konkurrenz, die das Duo Liebl und Schmid-Pfähler dabei hatten, war groß, wie die Ausstellung „Kunst und Technik“ im Voith-Trainingscenter zeigt. Da gibt es die überdimensionale Krake, die ihre Arme ausstreckt, es gibt Stelen, die plötzlich Licht und Raum offenbaren, es gibt Lichtpunkte in Bewegung, die zur Konzentration und Meditation einladen, es gibt den guten alten Telefonhörer, zu dem sich der Betrachter beugen muss, will er zum Zuhörer werden, es gibt massiv wirkenden Edelstahl, der sich ganz elastisch zeigt und filigran schwingt. Und mehr noch: ein zuweilen ausgelassenes Soundobjekt, flauschig in Pink, Faltblatttafeln, die ihrer ursprünglichen Umgebung Flughafen enthoben wurden und nun, Rhythmus und Bewegung vereinend, ganz unterschiedliche Eindrücke vermitteln. Und da wird Kunststoff zu Kunst, beim kleinen Roboter nämlich, der Kringel und Schleifen spuckt und damit selbst zum Künstler wird.

Allgegenwärtigkeit der Technik

Die Allgegenwärtigkeit der Technik war ausschlaggebend für diese besondere Ausstellung, wie Dr. Hans-Peter Schiffer, Vorsitzender des Kunstvereins, in seiner Ansprache unterstrich. Die Kunst habe die Technik auf ihrem Weg stets begleitet: abbildend, kommentierend, kritisierend.

Und als Fortschritt selbst: Dr. Hans-Peter Schiffer nannte das Beispiel vom galoppierenden Pferd, bei dem das bloße Auge nicht erkennen kann, ob nun alle vier Beine in der Luft sind, was schließlich die Fotografie aufgezeigt habe. Die Bewegung ist denn auch zentrales Thema der Ausstellung, die in jeder Hinsicht auch den Betrachter in Bewegung setzt. „Kunst bewegt“, so der Titel der Ausstellung, also im wahrsten Sinne des Wortes: Mal muss die Körperhaltung verändert werden, mal wird die geistige und emotionale Seite des Betrachters in Schwingung gebracht. Und – das gilt für alle Objekte – als Impuls, der im Betrachter wiederum Neues in Bewegung setzt. Und weil die Auswahl unter den einzelnen Objekten so groß und so beeindruckend war, wurde, wie Philipp Ziegler, Chefkurator des Zentrums für Kunst und Medien Karlsruhe, in seiner Einführung und Vorstellung der Preisträger ausführte, kein zweiter Preis verliehen, sondern das restliche Preisgeld auf alle weiteren Künstler verteilt.

Technik, Gesellschaft und Kunst

Die Ausstellung soll, so Dr. Schiffer, Eckpfeiler sein im Dialog zwischen Technik, Gesellschaft und Kunst. Das Voith-Trainingscenter als Ausstellungsort spielt dabei eine besondere Rolle, auf die Dr. Toralf Haag in seiner Begrüßung einging: zum einen auf die Kunsterziehung, auf die bereits Hanns Voith selbst in der Lehrlingsausbildung Wert gelegt hatte.

Zum anderen gibt die Atmosphäre der Räume den Werken noch eine besondere Komponente hinzu, die die Wirkung und das Einlassen darauf verstärkt.

Neue Ausstellung im Heidenheimer Pressehaus 340 Postkarten gegen den Corona-Blues

Heidenheim

Öffnungszeiten und Dauer der Ausstellung


Die Ausstellung „Kunst bewegt“ im Voith-Trainingscenter läuft noch bis zum 12. Dezember. Sie kann donnerstags und freitags von 16 bis 18 Uhr und mittwochs und samstags von 11 bis 13 Uhr besichtigt werden. Jeweils samstags ab 11.30 Uhr werden Führungen angeboten.