Erpfenhausen / Jana Thiele Zu einer Doppelstunde Deutsch lud Kabarettist Herr Schröder in den Kulturhof nach Erpfenhausen ein.

Sonntag, 20 Uhr, in Erpfenhausen – und auf dem Stundenplan stand eine Doppelstunde Deutsch bei Herr Schröder, vom Staat geprüfter Deutschlehrer und Beamter mit Frustrationshintergrund. Mit seinem Live-Programm „Word of Lehrkraft – Ein Trauma geht in Erfüllung“ packt Schröder ungeniert aus über sein Leben am Korrekturrand der Gesellschaft.

Der Schulgong ertönte aus den großen Lautsprecherboxen. Auf der Bühne eine große grüne Tafel, ein Stuhl, auf dem das rote Klassenbuch lag und ein grünes Cord-Jackett. Trotz Sommerferien haben am Sonntagabend rund 150 ehemalige Schüler, Lehrer und solche, die es mal werden wollen, die Doppelstunde Deutsch bei Herrn Schröder besucht. Mit einer zu hoch sitzenden Jeans, einem hellblauen hochgekrempeltem Hemd, perfekt sitzender Playmobil-Frisur und Brille betrat der Lehrer des Abends verschmitzt lächelnd die Bühne. Und wie in der Schule wurde Herr Schröder mit dem allmorgendlichen „Guten Morgen Herr Schröder“ begrüßt. Viel zu motiviert begrüßte das Publikum seinen Deutschlehrer, und wie für einen Lehrer üblich, korrigierte Schröder die Begrüßung: „Jetzt versuchen wir es noch einmal ganz langsam, ein Ausruf der gedehnten Lageweile, eine morgendliche Nah-Suizid-Erfahrung, so muss das klingen“, so Schröder.

Von der allmorgendlichen Begrüßung über die strengen Tagebucheinträge und die nervenzehrenden Elternabende hat Johannes Schröder nach zwölf Jahren im Schuldienst an der Helene-Fischer-Gesamtschule die Nase voll, nennt sich selbst ein Lehrer mit Frustrationshintergrund und gibt nun mit seinem Comedy-Programm „Word of Lehrkraft – ein Trauma geht in Erfüllung“ neue Einblicke in die allseits bekannte Schulwelt.

Im Fokus steht die Welt der Lehrer. Der Spaß an der deutschen Sprache zieht sich durch den ganzen Abend und so erzählt Schröder davon, dass er das lyrische Ich nie kennenlernen durfte, wie sehr die Rechtschreibreform sein Leben verändert hat und wie sadistisch die deutsche Sprache sein. „Wem fällt es denn ein, in das Wort lispeln ein s zu machen oder in stottern gleich drei t?“

Authentisch, humorvoll und unglaublich unterhaltsam spielte Schröder die Lehrerfigur. Schon früh entdeckte Johannes Schröder den Hang zur Beurlaubung: ein Jahr machte er „Work and travel“ – mit Schwerpunkt travel – in Spanien, bevor er in der badischen Provinz sesshaft wurde und sich als Lehrer konsequent und aufopferungsvoll dem gymnasialen Schuldienst widmete. 2014 zog es ihn dann nach Kanada und Toronto, um ein eigenes Comedy- und Bühnenprogramm aufzubauen. Zurück in Berlin gewann er mehrere Preise wie den „Mannheimer Comedy Cup“, die „Quatsch Comedy Club Talentschmiede“ und den ersten Preis des „NDR Comedy Contests“.

Preisverdächtig war auch die Verabschiedung. „Es gibt doch nichts peinlicheres, als wenn Lehrer mit einem Rap kommen, oder?“, sagte Schröder, und im Hintergrund lief schon „Eminems“ Song „Slim Shady“. „Ich bin der echte der echte Herr Schrödi, die anderen sind nur Pädagögis deshalb mach ich jetzt stand up, stand up…“ rappte Schröder stilsicher gegen den Rhythmus und verabschiedete sich so von den begeisterten Gästen.

Mit Herr Schröders Programm endete der Kultursommer in Erpfenhausen am Sonntagabend mit einem Lächeln im Gesicht – nicht nur bei den Besuchern, sondern auch bei den Veranstaltern.