Die Ferien sind vorbei, die Nachrichten mies, die Stimmung so lala und der Ausblick erst recht? Wer mit solcherlei Gedanken am Donnerstag in die erste „Kulturschiene“-Veranstaltung der Saison in den Lokschuppen gekommen war, ist garantiert in anderer Gemütslage wieder herausgekommen: Die Afro-Kubanische Band „D´Cuba Son“ hat dem Publikum einen opulenten und mitreißenden Abend spendiert, prallvoll mit heißen Rhythmen, coolen Balladen und südlicher Lebensfreude.

Vier Kubaner auf der Bühne

Schon der allererste Song „El Manisero“ wurde mit Applaus, Bravorufen und Pfiffen bedacht, die ersten zwei Gäste wurden zu Tänzern (weitere sollten später folgen) und kaum ein Fuß wippte nicht wenigstens mit.

Kern der Formation sind der Schlagzeuger und Bandchef Michael Michl und seine Frau, die kubanische Sängerin Claudia Sánchez Duquesne. Sie haben drei kubanische Kollegen um sich geschart, allesamt Sprösslinge berühmter Musikerfamilien (so jedenfalls lässt es der Pressetext verlauten), dazu den Pforzheimer Steffen Schumacher am Keyboard.

D´Cuba Son hat kubanische und karibische Klassiker im Gepäck, aber auch Coverversionen bekannter Jazz-Standards. Einen solchen nutzten die Musiker, um in ihren Soli zu zeigen, was sie drauf haben: In der Nummer „Afro Blue“ der Free-Jazz-Legende John Coltrane wagte E-Bassist Carlos Josué Remis Lorenzo ein Tänzchen mit seinem Instrument und bewies, dass lässig und virtuos spielen eins sein kann; Rey Ceruto legte eine rhythmusfreudige und volltönende Einlage auf den Congas hin.

Seelenvoller Sound

Dass das so gut klang, lag garantiert nicht nur daran, dass er zum Gegensatz zum einzigen Sängermikro gleich sechs eigene Mikrophone vor seinem Instrumentarium hatte, wie die Frontsängerin süffisant anmerkte. Schumacher bewies, dass er den karibischen Sound mühelos drauf hat, da waren seine sechs Jahre in einer anderen Salsaband ganz offensichtlich eine perfekte Schule für das Zusammenspiel mit den „native players“. Und zur Pause bekamen die gut 100 Gäste das Versprechen, danach werde es erst richtig losgehen . . .

Und tatsächlich stieg die Temperatur dann nochmal an. „Mata Siguaraya“ des venezolanischen Salsa-Stars Oscar D´León brachte alle Mitglieder des Sextettes gleichzeitig auf den Siedepunkt, bevor das Publikum dran kam: Sánchez Duquesne bat bei „Bemba Colorá“ zum Mitsingen, hinter dem Stühlen vermehrte sich die kleine Tänzerschar im Publikum. Der klassische Showbreaker: „Que te pedí“ – hier zeigte Trompeter Huberto Zaldívar Mitchell einmal mehr seinen weichen, flexiblen, seelenvollen Sound. Dass er dabei sogar bei einer langsamen Ballade so mühelos virtuos spielt, hebt ihn unter seinen Kollegen vielleicht sogar noch etwas heraus.

Lob für den Jazzverein

Gegen Ende der über zweieinhalbstündigen Show schließlich durfte nicht fehlen, „was von uns erwartet wird, das wissen wir natürlich“ (Michl): Einige Nummern aus dem Buena Vista Social Club. Ausdrücklich bedankte sich Michael Michl beim Verein Jazz Heidenheim, der „als einziger Veranstalter“ den Künstlern beim Ausfall des Auftritts vor rund zwei Jahren bereits die Hälfte des Honorars im Voraus überwiesen hatte – hat man Worte?

Zuletzt dann sollte das Publikum mit der kubanischen Version des „Sandmännchens“ nach Hause geschickt werden: „Drume negrita“, auch das ein Klassiker. Klappte aber nicht, D´Cuba Son mussten noch eine weitere Zugabe spielen. Die Energie dieses Männerquintetts mit Dame wird jedenfalls nicht knapp werden. Wenn dieser Auftakt das Niveau der Kulturschiene für diese Saison definiert, können sich die Heidenheimer auf eine spektakuläre Saison freuen.

Heidenheim

Kuba und sein Klang


Der Son Cubano (kurz Son, von spanisch sonido: Laut, Klang, Schall, Ton) ist ein Musikstil aus Kuba. Die historischen Wurzeln des Son Cubano reichen etwa in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Motive aus Tanzformen der spanischen Kolonisatoren, wie Menuett, Contradanza, Bolero oder Zapateado mischten sich mit den afro-kubanischen Rhythmen zu einem eigenständigen Musikstil.