Heidenheim / Joelle Schilk Die „Halbe Treppe“ an der August-Lösch-Straße gibt es seit zwei Jahren – Inge Metzner und Dorothee Schenck setzen sich damit für mehr kulturelle Begegnung in Heidenheim ein. Bislang mangelt es aber noch an Bekanntheit und Publikum.

Charakterköpfe – unter diesem Titel stehen momentan die Filme, die in dem zwar kleinen, aber liebevoll gestalteten Raum an der August-Lösch-Straße in Heidenheim gezeigt werden. Um dorthin zu gelangen, steigt der Besucher im Innenhof zunächst ein paar Stufen nach unten; es sind nur wenige Schritte, nicht der Rede wert eigentlich, und doch haben sie der Kulturbühne ihren Namen gegeben: Die „Halbe Treppe“.

Inge Metzner und Dorothee Schenck gehen diese Stufen seit etwa zwei Jahren regelmäßig rauf und runter. Zunächst wurden die beiden Mitglied im Schattentheater; in der Hintere Gasse war das damals, vor knapp vier Jahren. Dann, als das Theater aufgegeben werden musste, blieben sie auch dem neu formierten und umbenannten Verein treu – aus dem „SchattenDaSein!“ wurde die Kulturbühne „Halbe Treppe“, und aus Metzner und Schenck wurden Vorsitzende und stellvertretende Vorsitzende.

Und auch sie sind sozusagen Charakterköpfe, zumindest, was ihre Arbeit in der „Halben Treppe“ betrifft. Die eine macht Film, die andere Konzerte – und zusammen mit rund 40 weiteren Vereinsmitgliedern stellen sie alle Vierteljahre das Kulturprogramm auf die Beine. Den Raum, den sie 2017 vom Keller zum Veranstaltungsraum umgebaut haben, teilen sich die Vereinsmitglieder dabei mit dem Integrativen Haus der Gesundheit – jeder hat zwei feste Tage und jedes zweite Wochenende. Was, grob überschlagen, eine gar nicht so geringe Anzahl an Veranstaltungsmöglichkeiten ergibt.

Dennoch: Auch wenn es den ehemaligen Verein nicht mehr gibt, so fristet die Kulturbühne doch teilweise ein solches Schattendasein an ihrem jetzigen Standort. „Wir hätten gern mehr Leben hier, mehr Lebendigkeit. Wir haben richtig gute Konzerte, Lesungen und Filme, doch leider fehlt oft das Publikum. Wenn dann ein Top-Posaunist kommt, mit entsprechender Gage, und es sind nur 17 Besucher da – na, da zahlt man drauf“, sagt Schenck.

Die Künstler seien dabei gar nicht das Problem, beispielsweise für Jazz-Konzerte habe sie stets einige Bewerbungen auf der Warteliste und müsse sogar manchen Musikern absagen. „Ich denke, dass sich das hier bei den interessierten Gästen noch besser herumsprechen muss. Wir sind eben doch nicht ganz einfach zu finden“, so Schenck. Noch trägt sich die Arbeit des Vereins; mal wird draufgezahlt, mal wird etwas verdient. Was sich Schenck und Metzner wünschen, sind mehr Publikum, mehr Mitglieder, mehr Sponsoren – doch all das ist gar nicht so einfach. Schließlich kümmern sich die beiden um alles selbst, angefangen bei der Pressearbeit, den Flyern und Eintrittskarten über die Organisation der Veranstaltungen bis hin zum Vor-Ort-Sein inklusive Bewirtung – zu jedem Konzert wird eine Suppe angeboten und ab und an findet eine Matinée mit Frühstück statt.

Leicht gemacht wird es kleinen Veranstaltungsbühnen wie der „Halben Treppe“ auch von anderer Seite nicht. Die Filme beispielsweise, die jeden zweiten Dienstag gezeigt werden, leiht Metzner vom ökumenischen Medienzentrum in Stuttgart sowie von der MPLC Deutschland – doch wo sie früher als Veranstaltung für bis zu 30 Personen zehn Euro pro Film zahlen musste, gibt es inzwischen nur noch die Kategorie bis 150 Personen – und die kostet gleich mal 25 Euro pro Film. „Verbunden damit sind aber Auflagen, die wir einhalten müssen“, sagt Metzner und meint damit eine maximale Besucherzahl von 30 Personen, kostenlosen Eintritt und keine direkte Werbung. „Klar, es kommen dann mal mehr, mal weniger Leute. Alles auf Spendenbasis. Da finde ich 25 Euro pro Film schon extrem teuer, das macht kleinen Veranstaltern wie uns vieles kaputt.“

Bleibt die Frage: Warum machen die beiden das überhaupt? Ehrenamtlich, in der Freizeit, trotz aller Widrigkeiten? Nun, Schenck und Metzner sind eben nicht nur Charakterköpfe. Die beiden sind zum Glück auch ein bisschen sturköpfig – und was sie sich vorgenommen haben, nämlich die Kleinkunst und kulturelle Begegnungen in Heidenheim zu fördern, dafür setzen sie sich ein. Punkt.

Veranstaltungen der „Halben Treppe“

Am Freitag, 25. Oktober, findet um 19 Uhr eine Lesung mit Ana Zirner statt. Es folgt das Figurentheater „Kompanie 1/10“ mit dem Programm „Freiheit für Puppen“ am Samstag, 9. November, um 20 Uhr. Kurz vor Weihnachten, am 22. Dezember um 11 Uhr, findet eine Matinée mit dem „Sket-Trio“ statt, bestehend aus Kristin Geisler, Thilo Schimmele und Eberhard Budziat.

Darüber hinaus werden jeden zweiten Dienstag um 20 Uhr bei freiem Eintritt Filme gezeigt und ein offener Gesprächskreis, das „Dialogforum“, findet am 22. Oktober, 21. November und 17. Dezember statt. Auch Spielenachmittage gibt es in der „Halben Treppe“, und zwar am 12. Oktober, 23. November und 7. Dezember ab 15 Uhr. Am 26. Oktober findet außerdem um 20 Uhr ein „Schwoof“ statt.