Giengen / Hans-Peter Leitenberger Gut 100 Besucher, viele schon Stammgäste, kamen am Sonntagvormittag in die Stadtkirche, um ein spannendes Orgelkonzert zu erleben.

Gut 100 Besucher, viele schon Stammgäste, kamen am Sonntagvormittag in die Stadtkirche, um ein spannendes Orgelkonzert zu erleben. Christian Barthen begann mit Marcel Duprés „Prélude et Fugue op 7/1“ in H-Dur. Kraftvoll gestaltete er das fröhliche Fanfarenthema zu einer Carillon-Begleitung. Fast jazzig wirkte das motorisch geprägte Fugenthema in Sechzehntelnoten.

Johann Sebastian Bachs zauberhafte Triosonate C-Dur BWV 529 erklang mit klanglichen Differenzierungen der drei Satzelemente und sensibler Gestaltung der imitatorischen Figuren. Sehr kantabel gestaltete der Organist die zahlreichen, fast melismatisch empfundenen Koloraturen bis zum faszinierenden Schluss mit dem knapp kadenzierenden Wechselmotiv.

Mit spätromantischer Färbung und fast meditativ kam die Aria op.51 des Belgiers Flor Peeters. Es erforderte improvisatorische Fähigkeiten, da die Link-Orgel kein Schalmei-Register hat. Barthen wusste sich mit der Vox humana zu helfen mit zusätzlicher Oktav-Begleitung. Ein exquisiter Klang , der Vorbilder von Louis Vierne, aber auch der Orgelbewegung und des deutschen Neobarock enthielt. Stimmige Registrierung und sorgfältige Gestalten der Tempi konnte man durchweg erleben.

So auch bei Max Regers Choralfantasie „Ein feste Burg ist unser Gott“, einem seiner „Paradestücke“, das ganz nebenbei Regers Faible für protestantisches Liedgut erkennen lässt. Mit großer Geste spielte Christian Barthen das Pedalsolo zu Beginn und den bewegten Satz mit einem collagenartigen Gegeneinander. Das Crescendo mit stürmischem Fortissimo und die vielseitigen Cantus-Firmus-Variationen zeigten die Genialität Regers, die von Barthen mit viel Druck, aber auch Feingefühl dargestellt wurde. Glänzend und mit enormer Präzision spielte er die Pedaliter-Partien, fast erdrückend erklangen dazu die Manualakkorde. Der triumphale Schluss zeigte noch einmal das Können des Organisten, aber auch die frappierende Vielseitigkeit der Link-Orgel.