Abtsgmünd / HZ Der Ehninger Künstler Jov T. Keisar ließ sich sieben Tage lang von Fremden den Weg zum Ortsteil der Gemeinde Abtsgmünd zeigen.

Sieben Tage war er unterwegs, vom bayerischen Moorenweis nach Untergröningen. Zu Fuß, trotzte Sonnenbrand und Bremsenstichen. Und das alles für die kommende Ausstellung "aufgeSCHLOSSen", die am Freitag, 27. September, beginnt. Unter den baden-württembergischen Künstlern, die dann ausstellen, ist nämlich auch Jov T. Keisar aus Ehningen. Und eine seiner Arbeiten ist konzeptioneller Art: Die Wegsuche nach Untergröningen. Dabei ging es weniger um das wo als vielmehr um das wie. Entsprechend zeigt die Konzeptarbeit, Skizzen, Fotos und Antworten auf, die der Künstler unterwegs fand und erhielt.

Vor dem Start zog Jov T. Keisar einen Radius von genau 121 Kilometern um das Schloss Untergröningen. Warum? 121,7 Kilometer beträgt die Entfernung von Untergröningen bis zur französischen Grenze. Da das Konzept auf Sprache basiert und Keisar kein Französisch kann, erfolgte die Beschränkung auf 121 Kilometer. Aus 147 Ortschaften, die allesamt 121 Kilometer von Untergröningen entfernt liegen, hatte die Kuratorin der Ausstellung, Heidi Hahn, schließlich einen Startort für das Unterfangen ausgelost: Das bayerische Moorenweis, wo Jov T. Keisar seine Reise am 28. August begann.

Ohne Karten, technische Navigation oder andere Hilfsmittel war er unterwegs. Nur durch Befragen von Passanten wollte Keisar den Weg nach Untergröningen finden. Ausgestattet mit einem Zeichenblock, auf dem die Passanten ihm den Weg zum nächsten Ort in Richtung Untergröningen skizzieren konnten. Selbst wenn er es manchmal besser wusste, musste Keisar sich an die Wegbeschreibung des Befragten halten.

Und nicht selten griffen die Passanten zum Smartphone und wollten das Navi befragen. Waldwege, Fuß- oder Radwege wurden kaum vorgeschlagen. Straßen, Hauptverkehrsstraßen waren meistens die Lösung. „Einmal wurde ich über eine Hauptverkehrsstraße zum nächsten Ort geleitet, obwohl es einen wunderschönen und auch kürzeren Weg durch einen Wald gab“, erzählt Jov T. Keisar mit einem Schmunzeln.

Die Menschen, die er fragte, begegneten ihm durchweg positiv und selbst wenn er mal nicht fragte, sprachen ihn die Menschen an, versicherten ihm, dass er auf dem richtigen Weg sei. Wie kurz vor Abtsgmünd, als ihm ein Radfahrer zurief: „Emmer gradaus ond bald hosch´s gschafft!“

Mehr zu Jov T. Keisars Kunstprojekt gibt es in der Ausstellung „aufgeSCHLOSSen“ zu sehen: Von Freitag, 27. September, bis Donnerstag, 3. November, stellen 17 junge baden-württembergische Künstler in den Räumen des Schlosses Untergröningen aus. Am Vernissageabend, dem 27 .September ab 19 Uhr, wird Keisar außerdem in einer Performance unter dem Titel "...und dann geht’s..." ein „Best Of“ der Wegbeschreibungen rezitieren. Und natürlich ist dort auch seine ganze Konzeptarbeit "Wo bitte geht’s nach Untergröningen" zu sehen. Die ganze Wanderung Keisars gibt es auch auf dem Instagram- und dem Facebookprofil des Kunstvereins „Kiss“ nachzulesen.