Am Sonntagabend erlebten rund 120 Zuschauer in der Dischinger Egauhalle einen kabarettistischen Leckerbissen, der so gar nicht enden wollte. Denn in der Kulturreihe der Arche gab es diesmal das volle Programm. Bislang waren die Spielabende in zwei Hälften geteilt worden, sodass der Künstler ein etwas gekürztes Programm gleich zweimal hintereinander zum Besten geben konnte. Stephan Bauer jedoch feuerte zwei Stunden lang eine Pointe nach der anderen ab. Sehr zum Vergnügen des Publikums, und zwar, dies sei vorweggeschickt, beider Geschlechter gleichermaßen.

Im besten Alter

Bauer präsentierte sich gleich als dreifach gehandicapter Mann, zwar im besten Alter, aber mit
51 Jahren nicht mehr ganz der Jüngste, dann noch seit zehn Jahren zum zweiten Mal verheiratet, davon das letzte halbe Jahr gänzlich ohne Sex, und dann auch noch aus Dußlingen stammend, welch letzteres einem wirklich den Rest geben kann. Zu allem Überfluss ist jetzt auch noch die
16-jährige Tochter aus erster Ehe in das gemeinsam mit der zweiten Ehefrau unter horrender Verschuldung gekaufte Eigenheim eingezogen, was das ohnehin dröge Sexleben der Bauers vollends zum Erliegen gebracht hat. „Sie müssen wissen, meine Tochter ist echt eine faule Sau. Sie nennt das chillen, für mich sieht das eher nach oxidieren aus“, befindet der frustrierte Ehegatte und Zweittäter, der es nach dem ersten Mal eigentlich hätte besser wissen können.

Gesteigertes Triebleben

Doch die heimische Totstellmethode der Tochter wird konterkariert durch ihr gesteigertes Triebleben, das den Vater vor Neid erblassen lässt. Auch wenn er dem Schwiegersohn in spe sexuell nicht sehr viel zutraut, „nachdem ich gesehen habe, wie der zehn Minuten lang versucht hat, einen Strohhalm in eine Caprisonne zu stecken.“ Genervt ist der Vater der spätpubertierenden Göre dennoch, denn ausgerechnet sein Ehedrachen hat sich mit dieser gegen ihn verbündet. Und den verpickelten Schwiegersohn findet sie auch noch sympathisch, direkt schon zum Anbeißen. „Ich brülle wie ein Löwe“, sagt der Ehemann. „Du siehst aber eher aus wie eine WC-Ente“, befindet die Ehefrau.

Raue See der Ehe

Wie sagte einst der Jubilar der Diamantenen Hochzeit auf die Frage des Pfarrers, wie man es denn schaffe, eine solch lange Ehe zu führen? Man gewöhnt sich an alles. Unter diesem Motto schippert sich auch Bauer durch die raue See seiner Ehejahre. Und der Mann trägt sein Schicksal mit Humor und fast mit Fassung. Vom rülpsenden Proletenwitz eines Mario Barths ist Bauer jedenfalls durch seinen geschliffenen Sinn für feine Ironie meilenweit entfernt. Wenn denn auch bei ihm gelegentlich mal einer fahren gelassen wird, so eigentlich nur um im wahrsten Sinne des Wortes die Liebe zu seinem weiblichen Gegenpart zum Ausdruck zu bringen. Gemeinsames Pupsen, davon ist Bauer überzeugt, schafft Vertrauen und Nähe. Und gerade diese glaubt er in Zeiten von Corona ernstlich bedroht, und dies obwohl oder gerade weil der Virus dafür gesorgt habe, dass die Menschen zu Hause enger zusammenrücken müssten.

„Für die Ehe allerdings“, davon ist Bauer fest überzeugt, „ist Corona eine ernste Gefahr.“ Obwohl Bauer ständig Balsam in die wunden Seelen der Ehemänner träufelt, kommt sein Witz seltsamerweise bei den Damen genauso gut an. So hatten beide Parteien an diesem Abend herzhaft etwas zu lachen.