Heidenheim / Hans-Peter Leitenberger Die Junge Philharmonie Ostwürttemberg hatte beim Konzert im Festsaal der Waldorfschule in Heidenheim eine Menge Hits im Gepäck.

Konzerte der Jungen Philharmonie Ostwürttemberg stehen nicht nur für spielerisches Können, sondern auch für Freude am Musizieren. Dies bewies das junge Ensemble am Samstagabend in der Waldorfschule erneut und bot mit erlesenen Stücken ein gewohnt anspruchsvolles Programm unter der bewährten Leitung von Uwe Renz. Mit präzisem, aber auch forderndem Dirigat wusste der die Fähigkeiten des Orchesters gekonnt hervorzuheben.

Ouvertüren sind gar nicht so leicht zu spielen, und so war es eine Herausforderung für die Akteure, Richard Wagners Ouvertüre aus „Der fliegende Holländer“ als romantische Ballade zu bringen. Der mächtige Bläserbeginn und der heiße dramatische Atem dieses Stücks, bei dem das „Steuermann“-Motiv kurz durchblitzte, zeigten einen Klangkörper, der die Großartigkeit der thematischen Motive gekonnt darzustellen wusste.

Die reizvolle, mitunter etwas sentimentale Melodik in Jules Massenets Meditation aus „Thaïs“ erklang reich und schlank. Ein besonderer Genuss war der feine Ton und die filigrane Spielweise der Solistin Amelie Reinhardt, die zudem mit einer eleganten Bogenführung glänzte.

In „Danzon Nr. 2“ des Mexikaners Arturo Marquez überzeugten herrliche Klarinettenlinien mit exakter Intonation und Phrasierung. Ein Stück mit viel Humor und Calypso-Anleihen, vom Orchester mit Klarheit und Präzision dargeboten. „Gunter“ hieß die überdimensionale Schildkröte aus Plüsch, die bei der Tuba als Dämpfer eingesetzt wurde und bei Spielern wie den 400 Besuchern Schmunzeln auslöste.

Packend und feierlich erklang Edward Elgars „March oft the Mogul Emperors“ aus „The Crown of India“, inspiriert durch die Ernennung von König Georg V. und Queen Mary zum Kaiser und zur Kaiserin von Indien. Damals herrschte die britische Krone über ein Viertel der Weltbevölkerung, und das Orchester legte viel Feuer bei den dynamischen Steigerungen in sein Spiel.

Bei der „Fledermaus“-Ouvertüre von Johann Strauß Sohn sorgte eine sprühende, schwungvolle Spielweise mit viel Gefühl für Rhythmik und Klangfarben. Die Präzision bei den Einsätzen gerade bei den Prestostellen zeugte von dem bekannt hohen Können des Orchesters.

Bei dem Intermezzo aus „Cavalleria Rusticana“ von Pietro Mascagni gelang es dem Orchester, den feierlichen Duktus wie die temperamentvollen Ausbrüche gekonnt darzustellen. Folkloristisch ging es bei der Intermedia aus „La Boda de Luis Alonso“ des Spaniers Jéronimo Gimenez zu. Duftige Pizzicati, Triangel-Tupfer und kastagnettenartige Klänge kamen mit Temperament und Klangsinn. Poetisch und bei der Klangsprache an die „Finlandia“ von Jean Sibelius erinnernd erklang das spätromantisch angehauchte Interlude aus „The Song“ von Wilhelm Stenhammar.

Einen gloriosen Schluss bot das Orchester mit Edward Elgars Marsch Nr. 1 aus „Pomp & Circumstances“. Wohltuend, dass Uwe Renz und seine Könner etwas für anglophile Musikfreunde boten, ist doch diese Stück eine heimliche Nationalhymne Großbritanniens. Man vergaß, dass dieses wundervolle Land zur Zeit zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist. Die ergreifende Schönheit dieser Hymne erinnerte daran, dass England für viele ein Land der Hoffnung war und noch ist. Alles erklang mit der angelsächsischen Mischung aus Lässigkeit und Würde und ließ einige temperamentvolle Rubati zu.

Die rasante Zugabe mit dem Marsch „Zivio“ von Johann Strauß jun. beendete dieses inspirierende und von hohem Können gezeichnete Konzert noch nicht. Der Neujahrs-Mitklatscher „Radetzky-Marsch“ ließ kaum eine Hand ruhen.

In Sachen Radetzky

Der „Radetzky-Marsch“ von Johann Strauß Vater ist der „Zugaben-Hit“ nicht nur bei den Neujahrskonzerten in Wien, sondern zum Beispiel auch in Heidenheim. Die Junge Philharmonie Ostwürttemberg wusste am Samstagabend in der Waldorfschule ebenso um die Anziehungskraft dieses Ohrwurms. Doch wer war Radetzky eigentlich? Josef Wenzel Graf Radetzky zu Radetz (1766 – 1858) war 72 Jahre im Dienst der k.-und.k-Monarchie und hatte als Feldmarschall bei fünf Schlachten gegen das Königreich Sardinien-Piemont 1848/49 in Norditalien, ganz in der Nähe heutiger Urlaubsorte, ein blutiges Regiment geführt. Er ließ Gefangene willkürlich ohne Gnade erschießen und galt als die Hassfigur par excellence für die italienischen Kämpfer für die Unabhängigkeit von Österreich. In Italien ist der Marsch bis heute verpönt und verständlicherweise kein „Mitklatscher“ wie bei deutschen und österreichischen Konzertveranstaltungen.

hape