Heidenheim / Manfred F. Kubiak Im Zelt im Brenzpark hatte „Gold“, eine moderne Version des Märchens „Vom Fischer und seiner Frau“, Premiere.

Manntje, Manntje, Timpe Te . . . Halt, Stopp: Der Fischer und seine Frau sind tot, es lebe „Gold!“, die moderne Version des Märchens, die derzeit im Opernzelt im Brenzpark präsentiert wird. Am Mittwoch war Premiere.

Wir leben in korrekten Zeiten. Kein Wunder also, dass diese Kinderoper aus den Federn von Leonard Evers (Musik) und Flora Verbrugge (Libretto) zunächst einmal korrigiert, was dem alten Märchen von Philipp Otto Runge auch heute noch bei entsprechendem Betrachtungswillen unterstellt werden könnte, nämlich eine Art Eva-Makel, da die Gier hier doch ausschließlich Frauensache ist.

Ein-Personen-Stück

In „Gold!“ sind sie alle gierig. Mutter, Vater, Sohn. Die Wünsche aber erfüllt immer noch der Fisch. In Runges „Vom Fischer und seiner Frau“ will die Ilsebill König, Kaiser, Papst und schließlich Gott werden, in unseren modernen Zeiten fordert man vom Fisch ein Schloss, Dienstboten, Weltreisen und am Ende die Welt für drei allein ein.

Wobei die Zahl drei schon einen guten Hinweis darauf liefert, warum „Gold!“ summa summarum nie so glänzt, wie man sich das wünschen würde. Es handelt sich nämlich um ein an sich schon immer heikles, als Produktion für Kinder allerdings noch etwas heikleres Ein-Personen-Stück. Und es mutet seinem Hauptdarsteller, im Heidenheimer Fall dem nicht allzu oft zum Singen genötigten Tenor Philipp Nicklaus, der wirklich alles gibt, zu viel zu. Er ist Jacob, der Sohn, spricht für Vater und Mutter und den Fisch und muss zwischendurch, während er die Leiter hoch zum Fischfang und wieder runter ins gewünschte Haus, dann Schloss hastet, auch noch die ganze Geschichte erzählen und möglichst in spürbaren Steigerungen mit immer mehr Dramatik aufladen.

Was letztendlich in der Inszenierung von Ulrich Proschka nicht in jeder Beziehung und erst recht nicht über die ganzen siebzig Minuten durchgehend gelingt. Vielleicht auch gar nicht gelingen kann. Aber ob man das an der Inszenierung festmachen sollte? Man wundert sich eher, weshalb das Stück in jüngster Vergangenheit allüberall auf deutschsprachigen Bühnen auf dem Spielplan gestanden hat.

Gratis-Drinks für alle

Und man fragt sich, ob auch bei diesen vielen Gelegenheiten die Kinder im Publikum mit fortlaufender Dauer der Vorstellung unruhig und unaufmerksam wurden, so wie in Heidenheim, wo nach geraumer Zeit ein so nie erlebtes Kommen und Gehen hinaus und hinein aus dem Zelt, hinauf zu den Plätzen von Mama, Papa, Oma, Opa und wieder zurück in die ersten Reihen herrschte und man sich als Betrachter des Eindrucks nicht erwehren konnte, dass die eigentlichen Zielgruppe des Stücks nicht in ihrer Gesamtheit fürchtete, etwas auf der Bühne zu verpassen.

Man könnte jetzt noch die Hitze im ausverkauften Zelt ins Feld führen, die von den Veranstaltern wacker mit Wasserkühlung fürs Dach und Gratis-Drinks für alle 180 Besucher bekämpft wurde. Dennoch bleibt leider festzustellen, dass es „Gold!“ an Tempo und einem wirklich tragenden Spannungsbogen fehlt.

Und die Musik? Ist auch die Sache eines Einzelkämpfers, des famosen und virtuosen Percussionisten Hannes Brugger, der alle Hände voll zu tun hat, dabei aber auch nicht ändern kann, dass das alles für fortgeschrittene Hörer zwar intelligent klingt, in seiner anspruchsvollen Kopflastigkeit an Kinderohren aber eher vorbeigehen wird. Musik dieser Art gilt, wenn man das so formulieren darf, ja auch in der „richtigen“ Oper eher als Spezialität und steht deshalb dort seltener auf dem Spielplan. Kindern anzubieten, sich Opernmusik so vorzustellen, geht deshalb, auch wenn das aus der Sicht zeitgenössischer Komponisten bedauert werden darf, an der an Opernhäusern zu erlebenden Realität vorbei.

Zurück ins Erdloch

Das Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“ von Philipp Otto Runge, der übrigens neben Caspar David Friedrich auch der bedeutendste deutsche Maler der Frühromantik war, wurde von seinen Zeitgenossen offenbar als Satire auf Napoleon und dessen Verwandtschaft verstanden. Moderne Interpreten nehmen das Scheitern des habgierigen Unternehmens am Rande des Meeres lieber als Folie dafür, auch den Kapitalismus gewissermaßen als Märchen zu schildern. Wer diese alte Mär freilich nicht kennen sollte, für den könnte das Heidenheimer „Gold!“ unter Umständen sogar ein wenig zu undeutlich erzählen, warum der Fischer, die Frau und der Sohn am Ende wieder in ihrem Erdloch hausen.

Karten gibt’s nur noch für vier Vorstellungen

Noch dreizehn weitere Vorstellungen von „Gold“ werden bis zum ersten Juli-Wochenende im Opernzelt im Brenzpark über die Bühne gehen. Eintrittskarten sind im Vorverkauf im Ticketshop des Pressehauses in Heidenheim aber nur noch für die Vorstellungen am Samstag, 29., und Sonntag, 30. Juni, und für Samstag, 6., und Sonntag, 7. Juli, zu haben. Beginn ist jeweils um 15 Uhr.