Auch wenn sie von weitem ein wenig wie Scheiterhaufen aussehen mögen: Auf den Holzkonstrukten, die derzeit auf dem alten Sportplatz bei Fleinheim errichtet werden, finden keine Hexenverbrennungen statt. Stattdessen soll hier gefeiert werden. Zum zweiten Mal steigt in Fleinheim das „Zweitakt“-Festival. Vom 19. bis 21. August lädt das „Zweitakt“-Kollektiv, das sich aus dem Heidenheimer Verein „Whild Stage“ sowie dem „Verein für Jetzt-Musik und Medienkunst“ aus Oggenhausen zusammensetzt, dazu ein, drei Tage lang zu tanzen und die Seele baumeln zu lassen.

Seine Anfänge fand das Festival in einer privaten Party, die die „Whild Stage“ einst in einem Schrebergarten ausrichtete – heute undenkbar. „Das würde inzwischen total den Rahmen sprengen“, meint Carolin Michalk, ein Mitglied des harten Kerns der „Whild Stage“. Allein aufgrund der ganzen Genehmigungen, die ein Festival in dieser Größe einholen muss, wurde schon damals dringend ein neuer Veranstaltungsort gesucht.

Carolin Michalk ist nicht nur Mitglied beim Verein "Whild Stage", in diesem Sommer spielte sie zudem die Rolle der Mercédès im Naturtheater-Stück "Der Graf von Monte Christo".
Carolin Michalk ist nicht nur Mitglied beim Verein „Whild Stage“, in diesem Sommer spielte sie zudem die Rolle der Mercédès im Naturtheater-Stück „Der Graf von Monte Christo“.
© Foto: Markus Brandhuber

2019 sah es jedoch eine Weile ganz danach aus, als würde sich dieser nicht finden. Die Folge: Das Festival wurde zunächst abgesagt – vergleichsweise kurzfristig konnte dann jedoch der alte Sportplatz in Fleinheim als Location gewonnen werden. Rund 800 Besucherinnen und Besucher folgten dem Ruf der Veranstalter. Dieses Jahr hoffen sie, eine vierstellige Zahl an Partygängern nach Fleinheim zu locken.

Feiern ist jedoch längst nicht das einzige, was man beim „Zweitakt“-Festival tun werden kann. Klar, es wird zwei Bühnen geben, auf denen überwiegend regionale Bands und DJs für Musik sorgen werden. Doch auch tagsüber wird es ein Erlebnis-Programm geben. „Auf unserem ‚Marktplatz‘ in der Mitte des Geländes wollen wir verschiedene Workshops anbieten. Das reicht von Yoga und Acroyoga über Body- und Facepainting bis hin zu einem Biervortrag und einer Heilpflanzen- und Wildkräuter-Wanderung“, erklärt Michalk.

In Fleinheim findet der Aufbau des "Zweitakt"-Festivals 2022 statt

Bildergalerie In Fleinheim findet der Aufbau des „Zweitakt“-Festivals 2022 statt

Erlebnisparadies für Jung und Alt

Das Programm lässt es bereits erahnen: Auch wenn sich das Festival primär an Jugendliche richtet, sind Besucher aller Generationen willkommen. Organisiert wird das Ganze von einer überwiegend jungen Gruppe. Rund 50 Menschen sind insgesamt an der Realisierung beteiligt, der harte Kern des Kollektivs besteht aus etwa zehn Personen. Und die arbeiten getreu dem Motto: Jeder wie er Zeit und Lust hat. Es gebe demnach keine Vorgaben, wer wie viel arbeiten oder sich anderweitig an der Organisation zu beteiligen hat. Doch mal ehrlich, fehlt es da nicht gelegentlich etwas an Disziplin?

„Ein bisschen schon“, gibt Carolin Michalk zu und lacht. „Allerdings gibt immer ein paar Leute, die richtig anziehen und dadurch auch alle anderen motivieren. Am Ende haben wir schließlich alle den Anspruch, etwas Krasses und Wundervolles miteinander auf die Beine zu stellen.“ Krass und wundervoll sind durchaus angemessene Begriffe. Denn ein Standard-Festival wird hier nicht geboten. Bezeichnend für die „Whild Stage“ sind die vielen, selbstgebauten Holzkonstruktionen, die einerseits als Kulisse dienen, andererseits auch einen praktischen Nutzen haben. So fungieren sie etwa als Konzertbühne oder Empfangsschalter.

Bereits Wochen vor dem Festival fangen die Mitglieder des "Zweitakt"-Kollektivs an, zu bauen, zu basteln und zu werkeln.
Bereits Wochen vor dem Festival fangen die Mitglieder des „Zweitakt“-Kollektivs an, zu bauen, zu basteln und zu werkeln.
© Foto: Markus Brandhuber

Die dafür nötige Expertise stellen einige professionelle Zimmermänner aus den Reihen des Kollektivs zur Verfügung; sie beaufsichtigen den Aufbau. Überhaupt übernehmen Mitglieder in der Regel Rollen, für die sie am besten geeignet sind: Marketing, Budgetplanung, Ton- und Lichtausrüstung – dafür sind meistens Kollektivmitglieder verantwortlich, die sich beispielsweise bereits beruflich mit diesen Themen befassen.

Apropos Equipment: Da es sich bei der „Whild Stage“ um einen gemeinnützigen Verein handelt, der keine Mitgliedsbeiträge einfordert, hält sich das Budget eben auch in Grenzen. Um also die nötige Festival-Ausrüstung zu finanzieren, setzt das Kollektiv auf Sponsoren und legt den Großteil der Ausgaben im Vorfeld aus. „Wenn wir am Ende bei Null rauskommen würden, tja, dann hätten wir zwar eine harte Zeit gehabt, aber auch eine geile Party veranstaltet“, findet Michalk.

Holz und Technik würden die größten Kosten verursachen. In allen anderen Bereichen setzt das Kollektiv vor allem auf Second-Hand-Läden. Das würde auch viel besser zum Konzept des „Whild Stage“ passen, die seit jeher sehr naturverbunden ist und bereits bei vergangenen Veranstaltungen und Ausstellungen primär mit Holz gearbeitet hat. Dieser Gedanke zeigt sich übrigens auch im Bereich Sanitäranlagen: Statt klassischer Dixi-Klos kommen sogenannte „Ö-Klos“ zum Einsatz. Die bestehen aus Holz und kommen laut Hersteller komplett ohne Chemie, Strom oder Wasseranschluss aus.

„Whild Stage“ ist für Deutschen Engagementpreis nominiert


Zusätzlich zum regulären Festival-Besuch besteht beim „Zweitakt“-Festival auch die Möglichkeit, vor Ort zu campen. Tickets für das gesamte Wochenende sowie Tagestickets gibt es unter 2takt-festival.de/tickets.

Preisverdächtig: Der Verein „Whild Stage“ ist für den diesjährigen Deutschen Engagementpreis nominiert. Mit ihrer Arbeit berühre die „Whild Stage“ Themen wie gesellschaftlichen Zusammenhalt, Kunst und Handwerk sowie die Förderung und Orientierungshilfe für Jugendliche, heißt es von Seiten der Stiftung.

Der Deutsche Engagementpreis ist die bedeutendste Auszeichnung für bürgerschaftliches Engagement in Deutschland. Nominiert werden können alljährlich Preisträger anderer Engagementpreise – die „Whild Stage“ wurde etwa im April diesen Jahres beim Bürgerempfang der Stadt Heidenheim in der Kategorie U25 geehrt.

Michael Barthelmeß von der „Whild Stage“ empfindet die Nominierung als große Ehre – „gerade als junger Verein im Bereich technologischer Musik“. Obwohl der Verein bislang lediglich nominiert ist, habe er aufgrund dessen bereits viel Zuspruch und Kollaborationsangebote regionaler Musiker erhalten.