Heidenheim / Manfred F. Kubiak Das Heidenheimer Festival beweist mit seinem Notbetrieb, wie sehr die Stadt es braucht und wie sehr es sie verzaubert.

„Wenn er schoss, dann war’s so schwungvoll wie beim Tango.“ Django hieß der einsam-finstere italienische Western-Antiheld, der von den deutlich unterbewertet Blödelbarden gerufenen vier Herren von „Insterburg & Co.“ besungen wurde. Lang ist’s her. Die Heidenheimer Opernfestspiele steckten noch in den Kinderschuhen. Sie hießen sogar noch anders. Und im Rittersaal wuchsen noch Bäume.

Aber sonst sah’s dort in etwa so wie jetzt aus, wo Corona auch in den Mauern auf Schloss Hellenstein lauert. Man saß zwar nicht auf Abstand, und einen Mundschutz trugen höchstens bissige Hunde, doch man erfreute sich an Wochenend’ und Sonnenschein und daran, zu alledem sogar noch Musik unter freiem Himmel kredenzt zu bekommen.

Live, nicht gestreamt

Es waren die Zeiten der Schloss-Serenaden und die Anfänge eines Festivals, für das Heidenheim inzwischen berühmt ist. Und auch wenn dieses heuer virusbedingt als solches immer noch ausfällt, so sind im Notbetrieb doch tatsächlich ein paar Schloss-Serenaden möglich. Das hat nicht nur seine nostalgische Seite und bringt wieder einmal gewissermaßen ganz ungeschminkt den besonderen Zauber dieses Ortes zur Geltung. Es führt auch vor Augen und Ohren, wie sehr die Idee, diesen Ort musikalisch zu bespielen, die ganze Stadt verzaubern kann. Und wie sehr sie in all den Jahren bereits von diesem Festival verzaubert worden ist, wenn schon, wie am Wochenende gleich zweimal und ausverkauft, nur ein klein wenig davon so offensichtlich wohltuend wirkt.

Musik. Nicht gestreamt, kein als Ersatz in der Krise oder gar als Zukunft verkaufter digitaler Abklatsch. Live-Musik. In Heidenheimer Serenadenfall ein Streichquintett der Cappella Aquileia. Das sich zunächst einmal, ganz klassisch, mit einem Streichquintett vorstellt. Einem Streichquintett allerdings, das dann doch ein wenig aus dem Rahmen der Gattung fällt. Denn Antonín Dvořáks Opus 77 in G hält, statt einer zusätzlichen zweiten Bratsche oder einem zweiten Cello, einen Kontrabass zur obligaten Quartettbesetzung bereit.

Das schlägt sich nicht nur in einem geradezu orchestralen Klang nieder, den Marijn Simons, Matthias Bruns (Violinen), Christina Kerschner (Viola), Florian Arnicans (Violoncello) und Teresa Weiler (Kontrabass) sehr schön durchhörbar zur Geltung bringen. Sondern das beinhaltet auch die in der Rittersaalakustik äußerst apart klingende Parallelführung von Cello und Bass im Oktavabstand und darüber hinaus selbstverständlich die von Dvořák und von Arnicans genüsslich und betörend genutzte Möglichkeit, das Cello als zusätzliches Melodieinstrument herauszustellen.

Lauter Amerikaner

Alle fünf Cappellisten zusammen jedenfalls legten einen animierten und mit Intensität und ansteckender Freude in großem Stil zelebrierten Dvořák aufs kleine Behelfspodium im Rittersaal. Und vielleicht, weil Dvořák ja irgendwie auch ein halber Amerikaner war, folgten ihm sodann musikalische Impressionen aus der Neuen Welt in Form von jazzigen Quintett-Ausflügen nach Noten von Cole Porter und Scott Joplin.

Und die heftig erklatschte Zugabe? Die war ein Tango. Nicht schwungvoll geschossen aus dem Maschinengewehr von Django, sondern aus der Feder von Großmeister Astor Piazzolla: „Oblivion“. Damit nie in Vergessenheit gerate, welche Bedeutung die Festspiele für die Stadt haben.

Heidenheim macht den „Tannhäuser“ Die Opernfestspiele planen für 2021 ein Wagner-Festival

Die Wahl für die Opernfestspielzeit des nächsten Jahres in Heidenheim kann ruhig als regelrechte Sensation gewertet werden. Was bislang bekannt ist:

Marcus Bosch: Sein Wirken in Heidenheim

Bildergalerie Marcus Bosch: Sein Wirken in Heidenheim

Es geht ausverkauft weiter

Bereits ausverkauft sind die drei nächsten Schloss-Serenaden der Opernfestspiele mit einem Kammerorchester der Cappella Aquileia am kommenden Samstag, 18. Juli, ab 18, 19.30 und 21 Uhr im Rittersaal auf Schloss Hellenstein. Ebenfalls ausverkauft ist das um 11 Uhr im Brunnengarten des Schlosses beginnende Jazzfrühstück am Sonntag, 19. Juli.