Heidenheim / Manfred F. Kubiak Der Bildhauer Franklin Pühn, über Jahrzehnte hinweg ein maßgeblicher Akteur der Heidenheimer Kunstszene, feiert heute seinen 95. Geburtstag.

Wer wird schon 95? Franklin Pühn. Heute feiert er Geburtstag. Und wer ihn anruft, dem fällt seine jung wie eh und je klingende Stimme auf. Und wer ihn besucht, der mag ihm sein monumentales Alter nicht abnehmen. Vital ist das Wort, das einem sofort in den Sinn kommt. Ein vitaler Künstler. „Immer am Schaffen.“ Nach wie vor. Und das seit 1954 in Heidenheim.

Geboren wurde Franklin Pühn in Erfurt, wohin er nach seiner Soldatenzeit im Zweiten Weltkrieg und britischer Kriegsgefangenschaft 1946 zurückkehrte. Aufgegeben hatte er da bereits den Berufswunsch Schiffbauingenieur. Nun wollte er Bildhauer werden. Doch weil ihm als Arztsohn der damals in Ostdeutschland geforderte proletarische Hintergrund fehlte, durfte er nicht, wie erhofft, in Weimar studieren. Also tat er es ab 1948 in Stuttgart, wo er, der Student lebt nicht von Kunst allein, nebenher auch noch auf dem Bau arbeitete. 1953 schloss Franklin Pühn sein Studium ab und zog nach Bolheim, wo sein Vater inzwischen eine Landarztpraxis eröffnet hatte.

„5/54“

1954 ließ sich Pühn, inzwischen verheiratet und bereits Vater der ersten von zwei Töchtern, in Heidenheim nieder, wo er gleich als Mitbegründer der Künstlergruppe „5/54“ in Erscheinung trat und von Stund’ an und für die kommenden Jahrzehnte als maßgeblicher Akteur der Kunstszene auf der Bühne blieb. Immer gut sichtbar vor allem auch in seinen Werken, mit denen er, vom Rathausbrunnen bis zum Tell-Kreisel am Schiller-Gymnasium, um nur einige wenige Beispiele von vielen zu nennen, geradezu stadtbildprägend wurde. Dass die Kunst im öffentlichen Raum, insbesondere die Bildhauerei, inzwischen nicht mehr den Stellenwert genießt, der ihr einmal zugebilligt wurde, nimmt Franklin Pühn mit Bedauern zur Kenntnis. „Die Zeit, da man hier gut zu tun hatte, ist vorbei“, sagt er. „Mir tut der Nachwuchs leid.“

Innovativ in Papier

Über sieben Jahrzehnte bildet bislang das künstlerische Lebenswerk Franklin Pühns ab. Es begann mit stark abstrahierten Figurationen, zu denen sich etwas später die gegenstandslosen rhythmischen Formen gesellten, wurde unter dem Eindruck der Pop-Art kurz durchaus gegenständlich, wandelte sich erneut ins Abstrakte, ohne jedoch ganz und gar auf abbildliche Motive zu verzichten. Zu Beginn der 1980er Jahre entwickelte Franklin Pühn dann eine in der Geschichte dieser Gattung völlig neue Form der Papierskulptur, die bis heute im Zentrum seines Schaffens steht. Bronze und Aluminium waren zudem bevorzugte Werkstoffe des Bildhauers Pühn, der sich im großen wie im kleinen Format gleich wohl und zu Hause fühlte und fühlt.

Fast 40 Jahre lang war Franklin Pühn Vorsitzender des Heidenheimer Kunstvereins und in dieser Eigenschaft nicht zuletzt ein formidabler Vernissagenredner und, auf zahlreichen Exkursionen, ein origineller Anstifter, der es prächtig verstand, Menschen mit dem Hinweis darauf, dass die Fähigkeit, ein Bild zu lesen, eine andere sei als die, in ein Schaufenster zu blicken, das Sehen beizubringen.

Werkschau im Herbst

Und auch hier stand Corona im Wege: Eigentlich sollte pünktlich zum Geburtstag Franklin Pühns im Heidenheimer Kunstmuseum eine Werkschau des Bildhauers präsentiert werden. Diese ist nun auf Herbst verschoben, ein genauer Termin steht noch nicht fest.