Urlaub? Wie wäre es mit einer akustischen Reise in die Vergangenheit! Das Festival für Alte Musik in Aalen geht vom 17. bis 20. September in die zweite Runde. Ein Lichtblick für all jene, die sich wieder nach mehr Kunst und Kultur sehnen.

Bereits 2018 warf das Festival ein Schlaglicht auf diesen Musikstil und bereicherte damit die Aalener Kulturlandschaft um eine weitere Facette. Die Wiederauflage wartet mit Newcomern und Superstars der Szene auf.

„Es ist ein Versuch, sich in ein anderes Zeitalter zu begeben, von dem zwar Gebäude und Gegenstände noch erhalten sind, nicht aber der Klang“, erklärt Dr. Robert Crowe, künstlerischer Leiter des Festivals, die Besonderheit der Alten Musik. Tatsächlich stammt Alte Musik, wie die Genrebezeichnung bereits erahnen lässt, aus einer längst vergangenen Zeit. Genauer: Aus den Jahr(hundert)en vor 1750. Entsprechend fehlt es an „Ohrenzeugen“ – es gibt weder Menschen noch Tonaufnahmen, die belegen könnten, wie diese Musik einst tatsächlich geklungen hat.

So authentisch wie möglich

Genau deshalb ist die Alte Musik ein besonders spannendes Arbeitsfeld für Musiker. „Sich der historischen Aufführungspraxis zu widmen, bedeutet immer auch, sich von der gewohnten Art und Weise, Musik zu machen, zu lösen, um so historische Werke wieder zum Klingen zu bringen – und zwar so authentisch wie möglich!“, sagt Dr. Crowe, der außerdem darauf hinweist, dass es die nötigen Instrumente oftmals gar nicht mehr gibt. „Die müssen dann anhand von Ausstellungsstücken aus Museen nachgebaut werden“, berichtet er.

Entsprechend wird sich geballtes Fach- und Praxiswissen auf den Bühnen in der Villa Stützel, im Ostertag und in der Stadtkirche vereinen, wenn insgesamt rund 30 Künstler von internationalem Rang den Klang der Vergangenheit ins Hier und Jetzt übersetzen. Sie wandern dabei gleichwohl auf einem schmalen Grat: Wie viel künstlerische Freiheit ist möglich für eine trotzdem möglichst authentische Wiedergabe? Wie viel ist aber auch nötig, um die Alte Musik einem neuen Publikum zugänglich zu machen?

Das Programm des Festivals

Zu den jungen Nachwuchstalenten, die sich sehr gerne auf diese Gratwanderung begeben, zählt das Ensemble „Baroque for You“, das sich jüngst als musikalische Antwort auf die Corona-Krise formierte und das diesjährige Festival für Alte Musik am Donnerstag, 17. September, eröffnen wird. Sibylla Elsing, Julia Nilsen-Leach, Jan Niggers und Alexander von Heißen werden ein vielfältiges Spektrum der Musik des königlichen Barocks ab 19 Uhr in der Villa Stützel präsentieren.

Auch am zweiten Festivaltag, Freitag, 18. September, steht mit der 25-jährigen Giorgia Cappello eine echte Newcomerin der Alte-Musik-Szene ab 19 Uhr auf der Bühne der Villa Stützel, die sich gemeinsam mit Daniel Gerzenberg auf die Suche nach den Ursprüngen des Kunstliedes im Barock macht. Die beiden arbeiten an der Schnittstelle von Musik und Text und gestalten mit „Crown the Altar“ ein Programm mit Songs von Purcell und Arie Antiche Italiane, denen sie Lyrik aus dem 17. und dem 21. Jahrhundert gegenüberstellen.

Wer den Samstag üblicherweise mit einem Besuch auf dem Aalener Wochenmarkt beginnt, darf sich am Festivalsamstag, 19. September, auf barocke Marktmusik von Julia Gillich-Naroschnaja ab 10 Uhr in der Stadtkirche freuen. Abends ist mit Christine Pluhar dann ab 19 Uhr eine Lautenistin und Harfenistin zu Gast im Ostertag in Aalen, die überall auf der Welt große Erfolge feiert. Mit ihrem Ensemble „L’Arpeggiata“, das sie vor über 20 Jahren gründete, wird sie die Musik spielen, in der sie sich wirklich zu Hause fühlt: die italienische Musik des 17. Jahrhunderts – und zwar erfrischend modern. Neben acht herausragenden Solisten komplettiert Valer Sabadus, der mit seiner glasklaren und androgynen Stimme in der Riege der weltbesten Countertenöre singt, das Ensemble.

Ein weiteres Festival-Highlight ist gleichzeitig der Abschluss: Am Sonntag, 20. September, ab 18 Uhr im Ostertag kommt mit Pietro Torris Oratorium „Abramo“ ein Werk zur Aufführung, das zuletzt vor rund 290 Jahren live zu hören war. Für diese moderne Welturaufführung war die aufwendige Erfassung und Editierung des ursprünglich nur handschriftlich vorhandenen Notenmaterials nötig. Vier hochkarätige Solisten sowie ein erstklassiger Chor samt Orchester werden an diesem Abend einmal mehr beweisen, dass Alte Musik alles andere als angestaubt ist.

Ein barockes Hörerlebnis

„Unser Ziel war es, ein feines und ausgewähltes Kulturprogramm auf die Aalener Bühnen zu bringen. In diesen Zeiten liegt es auch uns besonders am Herzen, einen Ort für kulturellen Austausch anzubieten“, betonen die Festivalgründer Dr. Sandra Röddiger und Dr. Ralf Kurek, die mit der Restaurierung ihrer Villa Stützel einen weiteren besonderen Kulturort in Aalen geschaffen haben.

In jedem Fall bietet die zweite Ausgabe des Festivals für Alte Musik Kennern und Genießern barocker Musikkultur wieder unvergessliche Hörerlebnisse. Für alle anderen gilt: Es lohnt sich immer, über den eigenen Musiktellerrand zu hören.

Karten für das Festival für Alte Musik Aalen


Tickets für die Konzerte des Festivals gibt es im Ticketshop im Heidenheimer Pressehaus sowie in allen HZ-Geschäftsstellen im Landkreis. lr