Mein Buchtipp ist „Dschinns“ von Fatma Aydemir. Hüseyin, Ümut, Sevda, Peri, Hakan, Emine, das ist Familie Ylmaz. In sechs Kapiteln wird ihre Geschichte erzählt, jeweils aus der Perspektive eines Familienmitgliedes.

Zum Inhalt: Hüseyin ist 60 Jahre alt. Davon war er 30 Jahre Dreischichtler in einer Fabrik in Rheinstadt, einer fiktiven Industriestadt in Westdeutschland. 1971 kam Hüseyin zuerst allein nach Deutschland, holte seine Familie später nach. Er übernahm jede Feiertags- und Sonderschicht, seine Familie sollte es gut haben und für seinen Traum, eine Eigentumswohnung in Istanbul, wurde jeder übrige Pfennig gespart. Jetzt ist es soweit, Ende der neunziger Jahre, Hüseyin betritt seine 3+1-Zimmerwohnung in einem ordentlichen Stadtteil von Istanbul. Die Wohnung liegt im vierten Stock, alles riecht noch neu, nach Holz, Plastik und Farbe. Was wird seine Familie dazu sagen? Hüseyin wird es nicht mehr erfahren. Er stirbt an einem Herzinfarkt in der neuen, noch unbewohnten Wohnung. Die Nachricht vom Tod des Ehemanns, des Vaters, trifft die Familienmitglieder unerwartet. Alle machen sich auf den Weg nach Istanbul.

Mein Fazit: Durch Verletzungen, Geheimnisse, Lügen, Schweigen, Regeln, Gesetze und Angst, entwickelt sich eine Familie auseinander. Dann prallen Gefühle, Emotionen, unausgesprochene Wünsche und Sehnsüchte aufeinander, als sich die Familienmitglieder nach dem Tod Hüseyins treffen. Durch die bildhafte und schöne Sprache, die die Autorin verwendet, um die türkische Kultur und Lebensgewohnheiten zu beschreiben, taucht man in die Geschichte ein, leidet mit und hofft mit.

Das Buch kostet im Buchhandel 24 Euro und kann auch in der Bibliothek Gerstetten ausgeliehen werden.