Heidenheim / Joelle Schilk Zahlreiche befreundete Musiker des an Parkinson erkrankten Heidenheimers Bernd Everding spielten im „Lieblingsplatz“ im Brenzpark und sorgten für einen unvergesslichen Abend.

Die Schwaben neigen zur Untertreibung. Spätestens nach dem Konzert im Bistro „Lieblingsplatz“ im Heidenheimer Brenzpark am Mittwochabend wird das niemand mehr bestreiten können. „With a little help from my friends“ lautete der Titel des Benefizkonzertes, das Lee Mayall mit etlichen weiteren Musikgrößen auf die Beine gestellt hat, um seinen an Parkinson erkrankten Freund und Musikerkollegen Bernd Everding aus Heidenheim zu unterstützen.

Ein kleines bisschen Hilfe von Freunden also – doch was da in Wohnzimmeratmosphäre drei Stunden lang geboten wurde, war sicherlich mehr als das. Von überall her reisten die Musiker an, kamen aus Kaiserslautern oder Stuttgart und richteten sich im doch eher beschaulichen „Lieblingsplatz“ ein, um mit und für Bernd Everding einen ganz besonderen Abend zu bieten – mit ganz viel Blues, ganz viel Funk, etwas Rock und Soul und sogar einem Abstecher in die Gefilde des Hip-Hop. Bernd Everdings Cousine Frauke, die nach jahrzehntelanger Funkstille ebenfalls angereist war und so zusammen mit Everdings Söhnen Marvin und Finn sogar für ein kleines Familienzusammentreffen sorgte, brachte es auf den Punkt: „Was hast du für tolle Freunde, Bernd!“

Musik als Medizin

Freunde, die die Musik zweifelsohne genauso lieben wie Everding selbst. Und Freunde, die ihm an diesem Abend drei Stunden lang die wohl wirksamste Medizin verabreichten – ein Funkkonzert, wie es sich gehört: Es war laut, es war voll, und es wurde getanzt. Zumindest, soweit das eben möglich war bei rund 230 Gästen im „Lieblingsplatz“. Dass auch draußen zahlreiche Gäste den kompletten Abend über in der Kälte standen und dem Konzert lauschten, ließ die Vermutung aufkommen, dass vielleicht ein etwas größerer Veranstaltungsort genauso ausverkauft gewesen wäre.

Doch andererseits trug auch die familiäre Stimmung das ihre zum Gelingen das Benefizkonzerts bei. Da überraschte es nicht, dass Mr. P, wie Everding seine Krankheit in einem eigenen Song nennt, an diesem Abend schnell vergessen war. Lee Mayalls meisterhaft rasantes wie gefühlvolles Spiel auf dem Saxophon trug ebenso dazu bei wie seine unterhaltsamen An- beziehungsweise Zwischenmoderationen, und dass sich manche Musiker der für diesen Abend bunt zusammengewürfelten Band bis dato noch gar nicht gekannt haben sollen, wie Gitarrist Siggi Schwarz und Keyboarder Andreas Czeppel behaupteten, war bei dem durchweg stimmigen Zusammenspiel eigentlich nicht vorstellbar.

Von Funk bis Deutsch-Rap

Bluesstandards aus den 50er-Jahren reihten sich an Funkklassiker wie „Ain’t Nobody“ oder „Ride like the Wind“, und während James Robinson, Doniele Graves und John Alexander ihren Stimmen alles abverlangten und die Technik manches Mal ihre liebe Not hatte, da mitzukommen, stellte Letzterer auch immer wieder seine Qualitäten als Entertainer unter Beweis.

Nach der Pause startete das Kontrastprogramm: Weg vom Gute-Laune-Funk, ging es mit Everdings Sohn Marvin am Mikro auf eine „Tagtraumreise“ – deutscher Rap, aber doch gemischt mit einer kleinen Prise Funk; ein echter „Everding“-Song eben und einer derjenigen, die für die ach so schönen, weil menschlichen Momente des Abends sorgten. Was das angeht, hatte aber auch Doniele Graves einiges zu bieten: Ihr „Mercy“ kam mit solch einer berührenden Wucht, dass sich die Gäste schier nicht entscheiden konnten, wer nun am meisten Soul bot – die Sängerin selbst, Lee Mayall mit einem furiosen Saxofonsolo oder Siggi Schwarz an der Gitarre, der an diesem Abend zwar ganz ungewohnt, aber nicht weniger groovend abseits des Rock ’n’ Rolls unterwegs war.

Eine Überraschung nach der anderen

Was noch zu einem solchen Aufeinandertreffen guter Freunde gehört? Überraschungen natürlich. Die gab es zuhauf, angefangen vom Besuch von Everdings Cousine über den Auftritt von Michael Kneule beim Song „Sweet Home Chicago“ und Günter Käszmann, der Steve Cobey zeitweise am Schlagzeug ablöste, bis hin zu Bernd Everding selbst: Den ganzen Abend über auf der Bühne, die im „Lieblingsplatz“ im Prinzip nahtlos ins Publikum überging; meist am Bass, aber auch mal am Schlagzeug – und durchweg mit einem Lächeln im Gesicht. Auch dann noch, als ihm am Ende die Schulter schmerzte und er mit „I feel good“ und „Stand by me“ zu einem furiosen Finale aufspielte. Die eine oder andere Träne – ob nun aus Freude oder Rührung – war zwar dabei, letztlich hatten aber wohl nicht nur die rund 230 Besucher, sondern auch all diejenigen, die in der Kälte standen und lauschten, genau das, was sich Bernd Everding zu Beginn gewünscht hatte: einfach nur Spaß.

Benefizkonzert für Bernd Everding und die Hilde-Ulrichs-Stiftung

Alle Musiker des Benefizkonzertes im „Lieblingsplatz“ im Brenzpark verzichteten auf ihre Gagen, um den an Parkinson erkrankten Bernd Everding und die Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung zu unterstützen.

Stephanie Heinze, die Vorsitzende der Stiftung, war ebenfalls mit dabei. Die Stiftung wurde 1997 als erste private Stiftung gegründet, die schwerpunktmäßig die Erforschung nichtmedikamentöser Behandlungsmethoden bei Parkinson fördert. Die Arbeit wird komplett ehrenamtlich getragen und durch Spenden finanziert.

Allein über die Eintrittskarten kamen beim Benefizkonzert rund 2000 Euro zusammen. Darüber hinaus wurden noch weitere Spenden gesammelt. Diese gehen, abzüglich der entstandenen Ausgaben, an Bernd Everding. Für die Stiftung wurde ein Euro pro Karte gespendet.