Eine Geschichte, die vor fantasievollen Einfällen nur so strotzt, eine Inszenierung, die originell die Ideen umsetzt und 75 Ballettschülerinnen aller Altersgruppen, deren Tanz- und Spielfreude beides mit lebendigem Charme zusammenführte: „Alice im Wunderland“ verzauberte das Publikum am Sonntagabend im Konzerthaus.

Drei Jahre sind seit der letzten Aufführung des Ballettstudios Gabriele Schulz vergangen. Vieles hat sich verändert in dieser Zeit: Gabriele Schulz übergab ihr Studio an Nachfolgerin Anna Panagou. Diese begann ihre Arbeit fast unmittelbar in die Lockdowns hinein. Für die Ballett-Schülerinnen war die Umstellung auf Online-Tanzunterricht eine große Herausforderung an Motivation und Disziplin, ebenso wie die siebenmonatige Vorbereitungszeit für „Alice im Wunderland“. Doch am Sonntag war im Konzerthaus keine Spur von Stress oder Druck zu sehen, nur Freude am klassischen Tanz und vom Lampenfieber gerötete Wangen strahlten von der Bühne.

Kaum Kulissen

Minimaler Einsatz von Kulissen und Requisiten sowie schön abgestimmte Lichteffekte: mehr brauchte es nicht, um den Tänzerinnen einen Rahmen zu schaffen, in dem sie ihr Können jeweils ganz altersgemäß präsentieren konnten. So zauberten die jüngsten Elevinnen als niedliche Rosen und Schmetterlinge den 430 Zuschauern ein Lächeln ins Gesicht, das nur umso breiter wurde, wenn die Kleinsten strahlend unbefangen den Eltern im Saal zuwinkten und darüber kurz das Tanzen vergaßen – das sie im Übrigen schon gut beherrschten und gleich in mehreren Choreografien zeigen konnten. Spannend war es zu verfolgen, wie sich Technik und Ausdruck der Schülerinnen von Jahr zu Jahr verfeinern: als kugelige Igel und originell kostümierte Flamingos zeigten die etwas älteren Kinder spritzige Tänze, die sie mit sichtbar viel Freude und fortgeschrittenem Können umsetzten. Mit präzise umgesetzter Choreografie sorgten die 11- bis 12-Jährigen als Pilze und Töchter der Herzkönigin für Schmunzler durch popo-wackelnde Tutus und die neugierigen Tiere des Wunderlands sowie die Spielkarten meisterten ihre Auftritte in großer Gruppe ebenfalls beeindruckend synchron. Elegant und technisch versiert präsentierten sich die Hofdamen, die blaue Raupe und allen voran die Tauben und Gärtnerinnen, die ihr Können auf voller Spitze unter Beweis stellen durften.

Durchweg überzeugend

Die fortgeschrittensten Schülerinnen des Ballettstudios, die neben ihren Solo-Parts auch als Krokusse auftraten, begeisterten auf ganzer Linie. Greta Bolz als Alice glänzte mit Ausstrahlung und tänzerischem Talent und bewies darüber hinaus echtes Durchhaltevermögen, war sie doch in nahezu allen Choreografien auf der Bühne. Großartig auch die weiteren Solistinnen Leona Sakowski, Constanza Kircher, Swantje Haslop, Mia Steigerwald, Ina Bauer und Dagmar Obele, die mit reifem tänzerischem Können und vor allem durch spürbare Hingabe und Spielfreude ihre Rollen zum Leben erweckten. Heimlicher Star der Aufführung war die kleine Rebecca Willeck, die als „geschrumpfte“ Mini-Alice in einigen Szenen so souverän und bezaubernd charmant agierte, als wäre sie für die Bühne geboren.

Der Funke, der auf das Publikum übersprang, war jedoch nicht nur die gelungene Darbietung der Choreografien, sondern vor allem die Freude am Tanzen, die nur so von der Bühne sprühte und deutlich zeigte, dass in dieser Inszenierung jede Darstellerin ihren Platz gefunden hat. Die gemeinsame Präsentation durch Anna Panagou und Gabriele Schulz, die zu Beginn und nach der Pause jeweils eine Zusammenfassung der Geschichte zum Besten gab, stand stellvertretend für die offensichtlich gelungene Übergabe eines Lebenswerks an eine hoch engagierte Nachfolgerin, die mit ihren Schülerinnen stürmischen Applaus ernten durfte. Ein echter Traum – oder doch Wirklichkeit?