Heidenheim / Joelle Schilk Ute Eiselt bringt Kleinigkeiten aus der Natur ganz groß raus: Einige ihrer Makrofotografien sind nun in der Galerie im Pressehaus zu sehen.

Ruhe und Geduld. Und, ganz wichtig: der richtige Flow. Wenn diese drei Gegebenheiten stimmen, fährt Ute Eiselt ihre ganz großen Geschütze auf; sprich, sie schnappt sich ihr Makroobjektiv und wartet, bis ihr das richtige Motiv zum richtigen Zeitpunkt vor die Linse kommt. „Tatsächlich suche ich oft nicht danach. Die Dinge, die ich fotografiere, springen mich förmlich an“, erzählt die freischaffende Fotografin, die 1966 in Neu-Ulm geboren wurde und inzwischen in Illertissen lebt.

Und was sie da so alles anspringt, das ist ab dem morgigen Samstag bis zum 11. Oktober in der Galerie des Heidenheimer Pressehauses zu sehen. Die zarten Linien einer Blüte zum Beispiel sind genauso dabei wie die feinen Regentropfen an einem Pflanzenstiel oder Licht- und Schattenspiele auf einer simplen Blattstruktur. Oder aber auch die Plastikwasserflasche, die vor ihr auf dem Tisch steht und ihr wie ein Mahnmal den Widerspruch in sich vor Augen führt: „Wie gestört ist das denn: Wir verschmutzen unsere Gewässer mit Plastikabfällen und trinken gleichzeitig unser Wasser aus Plastikflaschen“, dachte sich Eiselt beim Anblick der Flasche. In diesem Moment entstand nicht nur die Bildserie „save water“, aus der zwei Arbeiten in Heidenheim zu sehen sein werden, sondern auch der ganz persönliche Vorsatz, das Wasser künftig aus der Leitung zu trinken.

Regentropfen und Schattenwurf

Abgesehen davon ist es aber hauptsächlich die Natur und ihre unmittelbare Umgebung, in der Eiselt fündig wird. Kleines ganz groß darzustellen, die Schönheit der Pflanzen und Strukturen zu zeigen, und zwar ohne extra etwas dafür zu arrangieren und ohne die Bilder nachzubearbeiten – das macht für Eiselt den Reiz der Makrofotografie aus. „Ich will genau das zeigen, woran die meisten achtlos vorüber gehen. Einen Ausschnitt aus dem großen Ganzen.“

Diesen Blick fürs Detail hat Eiselt wohl von ihrem Vater. Der war Schmuckzeichner und hat für viele seiner Schmuckstücke die Natur als Vorlage genutzt; „da habe ich gelernt, was es heißt, genau hinzuschauen, unterschiedliche Perspektiven zu nutzen, eine Faszination für die Genauigkeit zu entwickeln.“ Fotografiert hat Eiselt immer schon gerne – „mein erstes Gehalt habe ich in eine Kamera investiert“ – und auch als sie beruflich zunächst im sozialen Bereich tätig war, hat sie ihre Arbeit mit den Kindern stets mit Bildern dokumentiert, um Fortschritte festhalten und die Eltern möglichst gut informieren zu können. „Naja, und irgendwann hat sich dann aus dieser Faszination fürs Bild der Übergang zur Kunst ergeben.“

Der Blick fürs Detail

2013 hat sie ihre erste Ausstellung in Ulm bestritten, seit 2014 ist sie freiberuflich tätig. Wie lange sie braucht, um solche besonderen Momente im Bild einzufangen? „Schwer zu sagen. Wenn ich im Flow bin, mich voll darauf einlassen kann, dann entstehen in kurzer Zeit mehrere Motive. Andererseits gibt es Tage, da geht gar nichts“, sagt sie. Was aber definitiv eine positive Begleiterscheinung des Fotografierens ist: Nicht nur hinter der Kamera, auch im Alltag ist Eiselt viel achtsamer geworden. „Mein Auge ist geschult, mir fällt einfach sehr viel mehr auf als anderen.“ Und weil so ein Moment, in dem alles passt und sie unbedingt abdrücken will, meist spontan kommt, hat sie inzwischen auch ihre Kamera überall mit dabei. Auch im Urlaub, klar – allerdings dann doch eher für die ganz normalen Familienbilder.

„Save water“ und Co.: Titel für die Phantasie

Die Motive, die Ute Eiselt mit ihrer Makrofotografie einfängt, sind oft nur ein kleiner Ausschnitt eines Gesamtbildes und daher auch gar nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Das, so verrät die Fotografin, ist ganz bewusst so gewählt; sie gibt zu ihren Bildern daher auch keine Beschreibungen, sondern nur vage Titelbezeichnungen. So soll der Betrachter der eigenen Phantasie folgen und überlegen, was er damit verbindet.

In der Galerie des Pressehauses zeigt sie 25 Arbeiten in unterschiedlichen Größen, von 20 x 20 Zentimeter bis hin zu 90 x 60 Zentimeter. Meist hängt Eiselt ihre Bilder ohne Rahmen, damit der Betrachter das Motiv gedanklich weiterspinnen kann, doch es gibt auch Fotografien, bei denen der Fokus gerade durch den Rahmen auf etwas Bestimmtes gelenkt werden soll.