Sprichwörtlich warm anziehen mussten sich die Musiker, vor allem aber auch die gut 200 Zuhörerinnen und Zuhörer am Samstagabend in der Walter-Schmid-Halle beim Herbstkonzert des Musikvereins Stadtkapelle. Weil es ums Energiesparen geht, war der Saal nur auf 18 Grad beheizt. Schon am Vorabend, als bis 23 Uhr Chefdirigent Hannes Färber die Musikanten bei der Generalprobe forderte, war frieren angesagt gewesen. Sogar die Instrumente hätten darauf reagiert, klagte einer der Musiker. Aber das Publikum und die Musiker waren am Samstag froh, dass nach zwei Jahren Corona-Zwangspause überhaupt wieder ein Konzert möglich war.

Was an diesem Abend auf den Notenpulten lag, war für dieses Blasorchester eine echte Herausforderung. Und für die Zuhörer? Die Leistungen wurden zunächst relativ verhalten gewürdigt. Im zweiten Teil des Abends fiel der Applaus deutlich engagierter aus, sodass am Ende zwei Zugaben gewährt wurden. Hier stach der von Thiemo Kraas komponierte „Abendmond“ heraus, dessen Ausgangslied der so beliebte Abendchoral „Die Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius ist.

Die für dieses Herbstkonzert ausgewählte Literatur war enorm anspruchsvoll und forderte die Musiker. Unter dem Dirigat von Hannes Färber spürte man, dass die Ausführung des Musikerinnen und Musikern trotz Probenstress viel Spaß gemacht hat.

Ein wesentliches Verdienst kommt hier der charmanten Moderatorin Nicole Brendel zu, die ihrem Publikum die Komponisten und deren Tonschöpfungen vorstellte. Im Grunde war es eine Weltreise: Der Ausflug führte zunächst nach Thailand und schließlich ins Jahr 3000. Mit einem großen Schiff, das über wie unter Wasser und schließlich durch den Weltraum pflügte, erlebten die Zuhörer, wie - untermalt durch sphärische Klänge und andere schräge Passagen - wohl dann die Stadtkapelle klingen könnte. Da hat sich der Komponist Kees Vlak bei „A Jouney into Future“ wirklich Verblüffendes ausgedacht.

Begonnen hatte das Konzert mit einer Ouvertüre, die Jan Van der Roost aufs Notenpapier gezaubert hat: die zauberhafte Beschreibung der „City of Roses“. Dahinter verbergen sich Eindrücke aus einem Yokohama-Festival.

Die erwähnte Tour durch Thailand (Thorsten Wollmann) war schon ein besonderer Hörgenuss, die Beschreibung von Land und Leuten in einer dreigliedrigen Suite. Förmlich sah man die großen bunten Papierlaternen als Glücksbringer aufsteigen.

Ein Satz aus der neunten Symphonie Anton Dworaks gab James L. Hosay die Inspiration zu einem Symphonic Chorale unter dem Thema „Going home“. Sehr viele Gefühle, aber auch Wehmut und Nostalgie klangen an.

Bei dieser musikalischen Weltreise durfte ein großes, vor Lebenslust sprühendes Festival in Chicago nicht fehlen. Markus Götz komponierte diese Ouvertüre. Schließlich führte die Stadtkapelle zurück in vertraute Gefilde: Die „Alpina Sage“ von Thomas Doss nahm die Zuhörer mit in Österreichs Alpen. Eine schöne Bergtour nach Noten, die klanglich aber auch die Gefahren beinhaltete, die einem bei einem Fehltritt oder zu viel Wagemut drohen. Selbst die Naturgeister kamen vokal in dieser Aufführung vor, die schließlich in einem prächtigen harmonischen Klangbild beinahe viel zu kurz erschienen war.