Kraftsparend und mit einer überzeugenden Leistung ist French-Open-Sieger Alexander Zverev auf dem erhofften Weg ins Wimbledon-Finale in die dritte Runde gerauscht. Mit dem Selbstverständnis eines Grand-Slam-Champions besiegte der beste deutsche Tennisprofi den Franzosen Valentin Royer mit 6:1, 6:3, 7:6 (7:3).
Nach 2:02 Stunden verwandelte der 29-Jährige seinen dritten Matchball und spielt jetzt wie der Sauerländer Jan-Lennard Struff um den Achtelfinaleinzug beim Londoner Rasenklassiker. Am Samstag bekommt es der Hamburger mit dem US-Amerikaner Marcos Giron zu tun. Struff fordert schon am Freitag den russischen Top-Ten-Spieler Daniil Medwedew heraus.
«Für zweieinhalb Sätze habe ich beinahe ein perfektes Match gespielt. Dann habe ich ein bisschen die Konzentration verloren. Ich bin froh, dass ich nicht noch einen Satz spielen musste», sagte Zverev im Siegerinterview. «Ich bin noch nicht alt, aber ich bin in einem Alter, wo man Energie sparen muss.» Das sei auch wichtig für das Selbstvertrauen. Er habe noch keine starken Ergebnisse hier in Wimbledon gehabt. Aber wenn er so spiele, denke er, dass dies dieses Jahr passieren könne.
Royer kein Gradmesser
Der Weltranglisten-75. Royer war allerdings kein Gradmesser dafür, ob sich Zverev auch in der entscheidenden Turnierphase behaupten kann. Die Zweitrunden-Begegnung war lange eine einseitige Angelegenheit, bis sich Zverev Mitte des dritten Satzes eine kurze Schwächephase erlaubte. Der Wimbledon-Mitfavorit wackelte nur dieses eine Mal bei eigenem Aufschlag. Aus einem 4:2 wurde ein 4:5, doch Zverev fing sich rechtzeitig wieder.
Royer sei «jemand, der die große Bühne relativ gern hat», hatte die deutsche Nummer eins den Gegner zuvor beschrieben. Bei den French Open in Paris hatte der Franzose dem serbischen Rekord-Grand-Slam-Sieger Novak Djokovic einen Satz abgeluchst. Auf Court 1 im All England Club, dem zweitgrößten Court der Anlage, konnte Royer den an Position zwei gesetzten Zverev dennoch abgesehen vom dritten Abschnitt nicht in Verlegenheit bringen.
Neun Spiele in Serie für Zverev
Zverev startete hellwach. Zwar überließ er dem Franzosen noch dessen erstes Aufschlagspiel und lag 0:1 zurück. Doch dann dominierte der Australian-Open-Finalist von 2025 eindrucksvoll und entschied neun Spiele nacheinander für sich - eine außergewöhnliche Serie.
Gleich dreimal nahm der deutsche Spitzenspieler seinem Kontrahenten im ersten Satz den Aufschlag ab und machte im zweiten Abschnitt mit dem Break zum 2:0 weiter. Tempo und Präzision in den Schlägen des Deutschen waren für Royer zu stark. Zverev führte 6:1, 3:0, ehe Royer wieder ein Spiel holte.
In der ersten Runde hatte Zverev gegen den aufstrebenden Belgier Alexander Blockx einen Satz abgegeben und drei Tiebreaks spielen müssen. Diesmal hatte der Olympiasieger von 2021 auch im zweiten Abschnitt alles unter Kontrolle. Erst im dritten Durchgang leistete sich Zverev mehr leichtere Fehler.
Struff im Tiebreak-Krimi erfolgreich
Nervenstark erreichte zuvor Struff die dritte Runde in Wimbledon. Seine umkämpfte und tags zuvor abgebrochene Partie gegen den favorisierten US-Profi Brandon Nakashima gewann der Warsteiner in einem Tiebreak-Krimi in fünf Sätzen. 4:6, 7:6 (8:6), 7:6 (7:5), 6:7 (6:8), 7:6 (10:7) lautete das Ergebnis aus Sicht von Struff.
Beim Stand von 2:2-Sätzen war das Duell am Mittag wieder aufgenommen worden. 45 Asse halfen Struff zum Sieg in diesem außergewöhnlichen Aufschlag-Duell. Von 41 Assen seines Kontrahenten ließ sich der deutsche Davis-Cup-Spieler nicht beirren und stellte sein bestes Wimbledon-Resultat ein.
