Nahost

Tote bei Militäroffensive Israels im Westjordanland

Die Stadt Dschenin Westjordanland gilt als Hochburg militanter Palästinenser. Nun startet Israel dort seit Jahrzehnten erstmals wieder eine mögliche Großoffensive - mit offenem Ende.

Tote bei Militäroffensive Israels im Westjordanland

Bei einem großangelegten israelischen Militäreinsatz in der Stadt Dschenin im Westjordanland sind mindestens sieben Palästinenser getötet worden. Rund zwei Dutzend weitere seien verletzt worden, davon mehrere in kritischem Zustand, teilte das palästinensische Gesundheitsministerium mit. Unklar ist noch, ob es sich bei den Toten um Kämpfer militanter Islamisten oder unbeteiligte Anwohner handelt.

Die Operation «Heim und Garten», die sich nach israelischen Angaben gegen «terroristische Infrastruktur» richtete, dauerte am frühen Montagmorgen noch an. Die Region um Dschenin und das dazugehörende Flüchtlingslager mit rund 17.000 Einwohnern gelten seit Jahren als Hochburg militanter Palästinenser.

Mehrere gezielte Luftangriffe in der Nacht hätten unter anderem ein Waffenlager, einen Versammlungsort für Terroristen und ein auch als Beobachtungsposten genutztes Kommando- und Kommunikationszentrum getroffen, teilte die Armee mit. Demnach gab es auch Schusswechsel mit bewaffneten Palästinensern.

Auf Videos waren mehrere zerstörte Straßen zu sehen. Auch das «Freedom Theatre» im Zentrum der Stadt wurde getroffen, wie die Kultureinrichtung bestätigte. Israels Armee war kurz nach den Luftangriffen mit rund 100 Militärfahrzeugen und Bodentruppen in die Stadt eingerückt. Palästinensischen Berichten zufolge kam es daraufhin zu gewaltsamen Kämpfen mit Bewohnern.

Der Sprecher des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas, Nabil Abu Rudeineh, verurteilte den israelischen Einsatz und sprach von einem «neuen Kriegsverbrechen». Er rief die internationale Gemeinschaft auf, «ihr beschämendes Schweigen zu brechen und ernsthafte Maßnahmen zu ergreifen»

«Mindestens sieben Terroristen neutralisiert»

Der israelische Armeesprecher Richard Hecht sagte, die Operation werde «so lange wie nötig» dauern. Demnach konzentriere sich die Armee auf das Flüchtlingslager in Dschenin. Dort seien in der Nacht «mindestens sieben Terroristen neutralisiert» worden. Unklar war, ob sie getötet wurden. Laut Hecht wurden mehrere Dutzend Angriffe auf Israelis von Bewohnern des Lagers ausgeführt.

Neben der im Gazastreifen herrschenden Hamas haben in den letzten Jahren auch der militante Islamische Dschihad sowie weitere lose Gruppierungen in Dschenin massiv an Einfluss gewonnen. Finanziert werden sie größtenteils vom Iran. Die Hamas rief am Morgen zur Mobilisierung der Palästinenser im Westjordanland auf und sicherte ihren Kämpfern im Dschenin Unterstützung zu. Ein Sprecher der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad teilte mit: «Solange diese Aggression nicht aufhört, werden die Reaktionsmöglichkeiten breit und umfassend sein».

Der israelische Verteidigungsminister Joav Galant teilte mit, die Armee werde in Dschenin weiter «proaktiv und entschlossen vorgehen». Israels Verteidigungsapparat sei auf jedes Szenario vorbereitet.

Sicherheitslage extrem angespannt

Die Sicherheitslage in Israel und den palästinensischen Gebieten ist seit langem angespannt und hatte sich zuletzt nochmals verschärft. Unter anderem aus der Regierung wurden zuletzt Rufe nach einer großangelegten Militäroffensive laut.

Nach einem tödlichen Anschlag zweier Palästinenser auf vier Israelis im Westjordanland vor knapp zwei Wochen kam es dort immer wieder zu massiver Gewalt wütender israelischer Siedler gegen Palästinenser. Zudem führte das Militär erstmals wieder seit Jahrzehnten einen gezielten Luftangriff gegen Palästinenser im Westjordanland durch.

Seit Beginn des Jahres kamen mehr als zwei Dutzend Menschen bei Anschlägen von Palästinensern ums Leben. Im gleichen Zeitraum wurden mehr als 143 Palästinenser bei Konfrontationen, israelischen Militäreinsätzen oder nach eigenen Anschlägen erschossen.

Israel eroberte das Westjordanland und Ost-Jerusalem während des Sechstagekrieges 1967. Die Palästinenser fordern die Gebiete für einen eigenen Staat.