Schlepper-Kriminalität

Spaniens Polizei zerschlägt internationale Schlepperbande

Mit Schnellbooten, Waffen und einem brutalen Kontrollsystem operierte die kriminelle Organisation grenzüberschreitend. Jetzt konnte sie zerschlagen werden. Aber es gibt noch viele solcher Banden.

Die spanische Polizei hat eine mächtige internationale Schlepperbande für Migranten aus Nordafrika über das Mittelmeer zerschlagen. Die international vernetzte und straff organisierte Organisation algerischen Ursprungs habe über die Jahre bei mindestens 64 Überfahrten mit Hochgeschwindigkeitsbooten mehr als 2.000 Migranten nach Spanien geschmuggelt. Dabei habe sie Einnahmen von mehr als 24 Millionen Euro erzielt, teilte die Polizei mit. 

Im Mittelmeer sind jedoch viele Banden in wechselnden Allianzen am Schleppergeschäft und Drogenschmuggel beteiligt, die sich immer neu organisieren. Zwar sind die Migrationszahlen stark gesunken, aber seit Jahresbeginn registrierte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mehr als 12.000 Migranten, die über das Mittelmeer nach Spanien kamen.

Insgesamt 78 Personen, darunter auch vier der Drahtzieher des Netzwerks und ein sogenannter Hawala-Banker für bargeldlose Finanztransaktionen, seien festgenommen worden, teilte die Polizei mit. An den 2023 begonnenen Ermittlungen hätten auch Beamte von Europol sowie die Polizeien Polens, Portugals und Frankreichs mitgewirkt, wo die von Spanien aus operierende Bande ebenfalls Stützpunkte wie auch in Italien gehabt habe.

Migranten in «Mittelmeer-Ferraris» festgebunden

Die hierarchisch organisierte Bande habe mit Schnellbooten, die mit bis zu vier starken Außenbordmotoren weit über Hundert Kilometer pro Stunde schnell sind, zunächst Drogen von Spanien in das nordafrikanische Algerien transportiert und auf dem Rückweg Migranten nach Spanien geschmuggelt. Die Überfahrten in diesen auch «Mittelmeer-Ferraris» genannten Booten bei extrem hoher Geschwindigkeit und starkem Seegang seien für die Migranten äußerst gefährlich gewesen. Teilweise seien sie sogar festgebunden worden, um nicht über Bord zu gehen. 18 dieser Boote im Wert von insgesamt mehr als fünf Millionen Euro sowie Waffen, Drogen und Geräte für verschlüsselte Kommunikation seien beschlagnahmt worden.

Straffe Organisation mit brutalen Disziplinarmaßnahmen 

Das kriminelle Netzwerk sei von einem alleinigen Anführer geleitet worden, der für Planung, Koordination, Überwachung und Finanzierung der gesamten kriminellen Aktivitäten verantwortlich gewesen sei. Dieser Bandenboss stellte erhebliche finanzielle Mittel bereit, lieferte Waffen und Drogen und leitete die Verteilung von Drogen wie etwa der Partydroge Ecstasy in verschiedenen Ländern Nordafrikas, wie die Polizei weiter mitteilte.

Die Organisation habe drei hierarchische Ebenen gehabt. Eine erste Ebene habe die strategische Leitung und die allgemeine Kontrolle der Operationen übernommen. Eine zweite Ebene setzte sich aus Piloten, Transportfahrern und Verantwortlichen für operative Mittel zusammen; während eine dritte Ebene Mitarbeiter, Anwerber, Lieferanten, Wachpersonal, Logistikpersonal, Finanzmanager, Strohmänner und weitere Mitglieder umfasste, die für die Aufrechterhaltung der kriminellen Aktivitäten zuständig waren. 

Mit einem strengen internen Kontrollsystem, das auf Einschüchterung, Drohungen, Nötigung und extremer körperlicher Gewalt beruhte, sei die innere Disziplin gesichert worden. Es gäbe viele Hinweise auf Vergeltungsmaßnahmen, Abrechnungen, Entführungen, Übergriffe und Morddrohungen auch gegen die Migranten.