Kriminalität

Mädchen jahrelang versteckt - Prozess gegen Mutter gestartet

Eine Mutter soll ihr Kind jahrelang eingesperrt und isoliert haben. Das Mädchen wurde mit acht Jahren aus einem Haus im Sauerland in NRW befreit. Die Großeltern sind wegen Beihilfe angeklagt.

Gegen eine Mutter, die ihre Tochter fast ihr gesamtes Leben lang in einem Haus im Sauerland versteckt haben soll, hat ein Strafprozess in Siegen begonnen. Der 49-Jährigen werden die Entziehung Minderjähriger, Freiheitsberaubung, Misshandlung von Schutzbefohlenen, Körperverletzung und die Verletzung von Fürsorge- und Erziehungspflichten vorgeworfen. Sie soll das Mädchen schon seit frühem Kleinkindalter rund sieben Jahre lang im Haus der Großeltern eingesperrt und völlig von der Außenwelt abgeschottet haben. Der Fall aus Nordrhein-Westfalen hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst. 

Das Kind war 2022 im Alter von acht Jahren von der Polizei aus dem Einfamilienhaus der Großeltern in Attendorn befreit worden. Die Großmutter (80) des Mädchens nahm ebenfalls auf der Anklagebank des Landgerichts Platz - sie soll ihre Tochter unterstützt haben und ist wegen Beihilfe angeklagt. Auch der Großvater des Mädchens ist angeklagt, war am Mittwoch aber nicht anwesend. Der 83-Jährige sei erst am Vortag aus dem Krankenhaus entlassen worden, sagte sein Rechtsvertreter. 

Dem Kind war laut Anklage seit 2015 ein normales Leben mit Kita, Schule oder jeglichen Kontakten zu anderen Menschen verwehrt worden. Es soll in der Isolation erhebliche Entwicklungsrückstände erlitten haben und ist inzwischen zwölf Jahre alt.