Die Passagiere der vor der Küste Zyperns gekenterten Fähre «Filo Jet» haben Behördenangaben zufolge schwere Anschuldigungen gegen die Besatzung des später gesunkenen Katamarans erhoben. So soll der Kapitän von Bord geflüchtet sein, außerdem hätten einige der rund 260 Passagiere von verschlossenen Türen und Fluchtwegen berichtet, sagte der türkisch-zyprische Verkehrsminister Erhan Arikli der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu.
Alle Vorwürfe würden intensiv geprüft, versprach Arikli demnach. Neben den Ermittlungen der Polizei werde es eine separate Untersuchung zu dem Unglück mit mindestens acht Toten geben. Alle Ergebnisse bezüglich Betriebserlaubnis und Seetauglichkeit der Fähre sowie Sicherheitsvorkehrungen an Bord würden anschließend öffentlich gemacht.
Die Express-Fähre war am Sonntagmittag kurz nach dem Auslaufen aus der Hafenstadt Kyrenia (türkisch: Girne) im Norden der Mittelmeer-Insel auf dem Weg ins südtürkische Mersin gekentert. Aus noch ungeklärten Gründen drang Wasser ein, der Katamaran lief voll und kippte zur Seite. Schließlich sank das Schiff 500 Meter tief bis auf den Meeresboden.
Bei der Rettungsaktion spielten sich dramatische Szenen ab. Menschen in Rettungswesten klammerten sich an den über Wasser treibenden Teil der havarierten Fähre und warteten auf Rettung. Augenzeugen berichteten von teils chaotischen Zuständen an Bord: Passagiere im unteren Deck des zweistöckigen Schiffes hätten versucht, die Scheiben einzuschlagen, um nach draußen zu gelangen. Zwar konnten die meisten der rund 260 Passagiere gerettet werden. Allerdings kamen mindestens 8 Menschen zu Tode und 18 weitere werden noch vermisst.
