Staatsbegräbnis

Heute nimmt Norwegen Abschied: König Harald wird beigesetzt

Sein Volk nannte ihn liebevoll «Großvater von ganz Norwegen»: Zum Staatsbegräbnis von König Harald V. werden Royals, Präsidenten, Hunderte Journalisten und viele Norweger erwartet.

In den Abendstunden kamen immer mehr Menschen auf den Schlossplatz. Zehntausende Blumen wurden hier in den Tagen vor dem Staatsbegräbnis für den norwegischen König Harald V. an diesem Mittwoch (ab 12.00 Uhr) abgelegt. Der Abschied während einer großen Trauerfeier mit etlichen Staatsgästen sei «enorm wichtig», sagte die Norwegerin Eline Gaarder, die selbst Hunderte Kilometer angereist war, der Deutschen Presse-Agentur. «Er war ein sehr guter König.»

Aus Deutschland nimmt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an den Feierlichkeiten teil. Die europäischen Monarchien sind meist durch die Königspaare vertreten. Auch der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj wird am Mittwoch in Oslo sein, wie die norwegische Regierung bestätigte. Deutschland verliere einen großen Freund, hatte Steinmeier am Todestag des Monarchen am 28. August in einem Kondolenzschreiben geschrieben. «Europa verliert einen großen Versöhner.»

Der Sarg mit Harald V. wird zunächst in einem feierlichen Trauerzug vom Königsschloss zum Osloer Dom überführt. In der Schlosskapelle hatten die Trauernden in den vergangenen Tagen die Möglichkeit, sich noch einmal zu verabschieden. Auch am Dienstag hatte sich eine Hunderte Meter lange Schlange gebildet, es galten strenge Sicherheitsvorkehrungen.

Gottesdienst und Schweigeminute

Das Schloss und die Domkirche trennt nur etwas mehr als ein Kilometer, dennoch werden Zehntausende Menschen hinter den Absperrungen erwartet. An der Straße Richtung Kirche, der Karl Johans gate, wehen die norwegischen Flaggen auf halbmast. In der Domkirche beginnt dann heute um 13.00 Uhr der Trauergottesdienst, zu Beginn wird im ganzen Land eine Schweigeminute abgehalten. Die Stadt Oslo hatte angekündigt, die Feierlichkeiten auf mehreren Großleinwänden zu übertragen.

Neben den Staatsgästen reisten auch Hunderte Journalisten aus aller Welt an. Nur US-Präsident Donald Trump komme nicht, scherzte ein Verantwortlicher – das sei aber auch nicht schlimm. Mit vielen der europäischen Königshäuser pflegen die Norweger eine enge, teils sogar verwandtschaftliche Beziehung. Die Schwester des britischen Königs Charles III., Prinzessin Anne, ist die Patentante des neuen norwegischen Königs Haakon VIII., der mit dem Tod seines Vaters den Thron übernommen hatte.

Die letzte Ruhestätte

Nach dem Gottesdienst im Dom zieht der Trauerzug weiter zur nahe gelegenen Akershus-Schlosskirche, der letzten Ruhestätte des Monarchen im königlichen Mausoleum. In der Schlosskirche findet zum Abschluss der Trauerfeier eine private Zeremonie der Familie statt. Am Dienstag wurden Haakon und seine Familie noch einmal beim Besuch der Domkirche fotografiert. Haakon, Königin Mette-Marit sowie die beiden Kinder, Thronfolgerin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus, werden um 16.45 Uhr auf dem Schlossbalkon erwartet. So schließt sich der Kreis zum Abschied.

«Er ist wie sein Vater, und wir haben sehr viel Vertrauen in Haakon als neuen König», sagte der Norweger Tobias Gaarder am Dienstag auf dem Schlossplatz. «Er hat viele Werte, die wir sehr schätzen in Norwegen. Ich glaube, die Zukunft sieht gut aus – auch wenn wir den größten König verloren haben, den wir jemals hatten.»