Bevor Tom Holland Ende Juli in «Spider-Man: Brand New Day» wieder seine Netze spannt und auf Verbrecherjagd geht, schickt Prime Video einen anderen, deutlich älteren Spider-Man ins Rennen. «Spider-Noir» heißt die neue achtteilige Serie, die jetzt bei Amazons Streamingdienst zu sehen ist (Start: 27. Mai).
Die Hauptrolle übernimmt der 62 Jahre alte Nicolas Cage. «Spider-Noir» verbindet Superhelden-Action aus dem Marvel-Universum mit der düsteren Ästhetik klassischer Film-Noir-Geschichten.
Zwei Welten prallen aufeinander
Im Mittelpunkt steht Ben Reilly (Cage), ein abgehalfterter Privatdetektiv mit besonderen Kräften. Anders als der klassische Spider-Man Peter Parker ist Reilly desillusioniert, grummelig und eindeutig an Humphrey Bogarts Rollen in «Die Spur des Falken» (1941) oder «Gangster in Key Largo» (1948) angelehnt.
«Ich wollte versuchen, eine Vision aus meiner Fantasie zu verwirklichen - gewissermaßen ein Pop-Art-Werk schaffen, indem zwei völlig gegensätzliche Welten aufeinanderprallen», sagte Cage zum Serienstart.
Der Regie-Stil von Regisseur Howard Hawks und die Art des Schauspiels von Edward G. Robinson träfen auf die Welt von Comic-Guru Stan Lee. «Und ich wollte sehen, welche Funken daraus entstehen.»
New York in den 1930ern
Die Geschichte spielt in den 1930er Jahren während der Zeit der Großen Depression. Zu Beginn der ersten Folge erfahren Zuschauer, dass Reilly nachts als Superheld The Spider durch die Straßen von New York City schwang und in der Unterwelt aufräumte. Nach dem Tod seiner Liebe Ruby, die er nicht retten konnte, gab Reilly sein gefährliches Doppelleben auf. Seitdem wird The Spider vermisst.
Als Privatdetektiv wird er beauftragt, einen Mann zu finden, der Superkräfte hat - genauer gesagt: der zu Feuer werden kann. Der Gesuchte hat das Anwesen des Gangsterbosses Silvio Manfredi alias Silvermane (Brendan Gleeson) in Flammen aufgehen lassen. Der Name täuscht übrigens, Manfredi ist wie Darsteller Gleeson irisch, nicht italienisch, wie in der Originalfassung nicht zu überhören ist.
Reilly nimmt den Auftrag an, wohl wissend, dass Silvermane ein gefährlicher Mann ist. Während seiner Suche nach dem Brandstifter meldet sich immer wieder sein Spinnensinn. Und im Rahmen seiner Ermittlungsarbeit wird er in weitere Angelegenheiten involviert. Es dauert nicht lange, und The Spider kehrt zurück.
Paraderolle für Kultstar Cage
In den 90er Jahren war Nicolas Cage der Star von Actionhits wie «The Rock», «Con-Air» oder «Face/Off» - und gewann einen Oscar als bester Hauptdarsteller für das Drama «Leaving Las Vegas». Nach einem Karrieretief, in dem er sich für kein Projekt zu schade war, entwickelte er sich seit den 2010er zum Kultschauspieler.
«Ich war bereit, das Fernsehen zu erkunden», sagte Cage nun. «Meine Hoffnung war, dass mir ein langformatiges Serienformat den Luxus der Zeit geben würde, dass ich kleine Samenkörner auslegen kann - etwa die Spinnen-DNA und wie sie Reilly beeinflusst.»
Es ist eine Paraderolle für Cage, der in seiner ersten TV-Serie nicht ganz so überzogen wie in vielen anderen Filmen spielt. Doch der 62-Jährige hat sich seine fast alberne Coolness und die extrovertierte Mimik bewahrt.
Dies und seine insgesamt grimmige Art passen gut zu seinem 30er-Jahre-Detektiv - dem er übrigens schon im Animationshit «Spider-Man: Into The Spider-Verse» seine Stimme lieh.
Wahlweise in Farbe oder in Schwarz-Weiß
«Spider-Noir» erscheint bei Prime Video in zwei Varianten. Für das volle 30er-Jahre-Feeling empfiehlt sich die Schwarz-Weiß-Version. Wer es zeitgemäßer mag, kann zur Farbvariante greifen.
Egal, wofür man sich entscheidet: Die klassische Ästhetik und der bewusst altmodische Stil machen einen großen Reiz der Serie aus. Vor allem aber ist es die enorm präsente und spielfreudige Performance von Nicolas Cage, der «Spider-Noir» über weite Strecken im Alleingang trägt.

