Zwei Tage vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg hat die CDU die Grünen heftig für deren Wahlkampfführung kritisiert. «Die Grünen haben ihren moralischen Kompass verloren», sagte der Generalsekretär der Landes-CDU, Tobias Vogt. «Wer sein eigenes Parteilogo und seine Inhalte verstecken muss, dem bleibt am Ende offenbar nur noch der Griff in die Schmutzkiste.»
Konkret stört sich die CDU an einem Aufruf der Grünen Jugend auf Bundesebene. Auf einer Kampagnenseite ruft die Jugendorganisation der Grünen dazu auf, im Wahlkampfendspurt Verwandte und Bekannte anzurufen. «Manuel Hagel ist nicht bereit als Ministerpräsident!», heißt es in dem Aufruf über den CDU-Spitzenkandidaten. Eine Pressesprecherin der Grünen Jugend bestätigte, dass der Aufruf von der Jugendorganisation stamme.
Grüne Jugend rät, Hagel-Video zu thematisieren
Die Grüne Jugend rät in dem Aufruf ihren Unterstützern, die Verwandten und Bekannten gezielt auf das viel kritisierte Interview Hagels von 2018 anzusprechen, in dem er sich etwas schwärmerisch über das Äußere einer Schülerin äußert. Auch Argumente gibt der Aufruf den Unterstützern an die Hand. Man könne etwa argumentieren, dass ein Ministerpräsident jungen Menschen mit Respekt begegnen solle oder man eine politische Führung brauche, die alte Rollenbilder hinter sich lasse.
Damit überschritten die Grünen eine Grenze, kritisiert CDU-Generalsekretär Vogt. «Bürger dazu aufzufordern, ihre privaten Netzwerke für Angriffsbotschaften zu missbrauchen», habe mit fairem, demokratischem Wahlkampf «nichts zu tun». Hinter der Kampagne wittert Vogt die Strategie, dass die Grünen im linken Lager weitere Stimmen auf sich ziehen wollten. «Dazu passt, dass die Grünen eine überdeutliche Übereinstimmung in ihrem Wahlprogramm mit der Linkspartei haben.»
Die Pressesprecherin der Grünen Jugend entgegnete auf die Kritik: «Dass die Grüne Jugend als eigenständiger Jugendverband gegen die Wahl der CDU und für die der Grünen in Baden-Württemberg aufruft und Wahlkampf macht, ist unspektakulär.» Am Ende müssten die Menschen in Baden-Württemberg entscheiden, wem sie das Amt zutrauten. «Für die Grüne Jugend ist dabei klar, dass Manuel Hagel mit seinen Positionen nicht der Richtige ist.»

