Schleswig-Holstein

Buckelwal vor Timmendorfer Strand weiter in Not

Seit Montagfrüh liegt ein Buckelwal auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand. Helfer kämpfen um das Leben des Tieres. Das Hochwasser in der Nacht brachte keine Rettung. Wie geht es nun weiter?

Die Sorge um den in der Ostsee vor Timmendorfer Strand gestrandeten Wal hält an. Am Morgen lag das Tier weiter im flachen Wasser vor dem Ortsteil Niendorf. «Die Lage ist mehr oder weniger unverändert», sagte Carsten Mannheimer von der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd der Nachrichtenagentur dpa. 

Es sei dem Tier nicht gelungen, sich zu befreien. Die Situation sei kritisch. Zum einen, weil der Wal gestrandet ist. «Der Gesundheitszustand ist ebenfalls nicht besonders gut. Von daher ist die Frage, was noch gemacht werden kann und was noch gemacht werden sollte.» Der Wal atme, aber «er kämpft nicht großartig, da runterzukommen», sagte Mannheimer.

Wie die Rettungsversuche weitergehen, war zunächst noch nicht klar. Experten des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) in Büsum, der Tierärztlichen Hochschule Hannover und Einsatzkräfte wollten laut Mannheimer besprechen, wie weiter vorgegangen werde. Sie wurden gegen Mittag in Niendorf erwartet.

Schaulustige stören Wal und Rettungsmaßnahmen

Der Bürgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke, berichtete der dpa, dass Menschen versuchten, mit Ruder- oder Schlauchbooten an das Tier heranzukommen. Er kritisierte dieses Verhalten aufs Schärfste. Der Wal gerate dadurch in Panik. Zudem störe es die Rettungsmaßnahmen massiv, wenn die Absperrungen missachtet werden. 

Mit Abstand zum Geschehen waren am Vormittag Spaziergänger unterwegs, die vom Schicksal des Meeresriesen berührt sind. «Der arme Kerl. Ich hoffe, er kann noch gerettet werden», sagte Stefan Stauch, der mit seiner Frau aus dem einige Kilometer entfernten Scharbeutz gekommen war. In der Nacht hätten sie den Wal sogar hören können. «Wir hatten gehofft, dass er mit der ansteigenden Flut in der Nacht wieder freikommt, aber das hat nicht funktioniert.»

Rettungsversuche vergeblich

Das Hochwasser gegen Mitternacht habe nicht ausgereicht, dass sich das etwa zehn Meter lange Tier aus eigener Kraft hätte freischwimmen können, sagte ein Polizeisprecher am frühen Morgen. Der Meeressäuger war nach Polizeiangaben in der Nacht zum Montag im Wasser vor dem Ortsteil Niendorf entdeckt worden.

Helfer hatten von Montagmittag bis in die Nacht hinein vergeblich versucht, den auf einer Sandbank festsitzenden Wal in tieferes Wasser zu bekommen. Zum Einsatz kamen dabei unter anderem Polizei-Boote, Schlauchboote und Drohnen der Feuerwehr, zahlreiche Helfer sowie ITAW-Experten.

Warum der Wal vor Niendorf auftauchte, ist bislang unklar. ITAW-Expertin Stephanie Groß sagte, vielleicht sei das Tier krank oder verletzt, vielleicht auch nur erschöpft. Es könne auch sein, dass der Wal einfach versehentlich in dem Flachwasserbereich gelandet sei.

Wohl männlicher Buckelwal auf Wanderschaft

Nach Angaben von Sea Shepherd handelt es sich bei dem Tier um einen Buckelwal. Sprecher Sven Biertümpfel geht davon aus, dass es vermutlich ein junger Bulle ist, weil die männlichen Tiere im Gegensatz zu den Kühen auf Wanderschaft gehen. Außerdem sei es naheliegend, dass es sich bei dem Tier um denselben Wal handele, der seit März im Wismarer Hafen in Mecklenburg-Vorpommern gesehen wurde.