Das Kicken auf dem Bolzplatz und das handwerkliche Anfertigen von Herrenbekleidung zählen nun zum immateriellen Kulturerbe in Deutschland. Das teilten die Kulturministerkonferenz, Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und die Deutsche Unesco-Kommission mit. Das entsprechende bundesweite Verzeichnis sei um fünf Traditionen erweitert worden.
Neu hinzukamen demnach neben der Bolzplatzkultur und dem Herrenschneiderhandwerk auch die Martinsumzüge mit Laternen im Rheinland, die Schaustellerkultur auf Volksfesten sowie die traditionelle kleine Küstenfischerei an der Ostseeküste und in den Boddengewässern.
Bolzplätze werden in der Neueintragung als «Schule des Lebens» gewürdigt. «Als offener und niedrigschwelliger Begegnungsraum bringt der Bolzplatz Menschen unterschiedlicher Hintergründe zusammen und fördert soziale Kompetenzen wie Fairness, Teamfähigkeit und Konfliktlösung», heißt es darin.
Alltag, Handwerk und Brauchtum
Ähnlich bedeutsam werden die anderen Neuzugänge auf der Liste beschrieben. Das Herrenschneiderhandwerk etwa präge als «identitätsstiftende Praxis» seit Jahrhunderten das Erscheinungsbild von Herrenbekleidung und wirke über Mode hinaus in Kunst und Alltagskultur.
Seit 2003 gibt es ein Abkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes der Unesco, der für Kultur zuständigen Organisation der Vereinten Nationen. Deutschland ist seit 2013 Vertragspartei.
Das bundesweite Verzeichnis soll «kreative, inklusive und innovative» Kulturformen würdigen. Es ist kein Verzeichnis der Unesco, sondern Deutschlands. Einträge aus den nationalen Verzeichnissen können aber für eine von drei internationalen Unesco-Listen vorgeschlagen werden.
Das deutsche Verzeichnis umfasst mit den Neuzugängen mittlerweile 173 kulturelle Ausdrucksformen, die in Deutschland weitergegeben werden. Hinterlegt sind unterschiedlichste Traditionen – von der Berliner Technokultur bis zum Bergsteigen in Sachsen.

