Hobby Modelleisenbahn

Wie kreativ der Modelleisenbahner Manfred Mingl aus Hermaringen eine Miniatur-Welt schuf

Seit mehr als 40 Jahren tüftelt und baut der Hermaringer Manfred Mingl an seiner Modelleisenbahn-Anlage. Die Ideen gehen ihm noch lange nicht aus.

Wenn Manfred Mingl auf den Dachboden verschwindet, können schon mal ein paar Stunden vergehen, bis ihn seine Frau wieder zu Gesicht bekommt. Die riesige Modelleisenbahn, die er in den vergangenen 40 Jahren dort oben geschaffen hat, lässt ihn manchmal einfach die Zeit vergessen. Schließlich gibt es dort immer was tun. „Fertig wird die Anlage nie werden“, ist sich der Hermaringer Rentner sicher. Die Ideen, wie er die fünf auf drei Meter große Miniaturlandschaft noch interessanter gestalten kann, gehen ihm noch lange nicht aus.

Ein kleiner Fluss am Sägewerk ist schon in Arbeit und ein Weinberg würde ihm auch noch vorschweben. Aber dafür bräuchte es unzählige winzige Weinstöcke, die von Hand selbst hergestellt werden müssten. Dafür fehle ihm aber im Moment einfach die Zeit, sagt Mingl, schließlich liegen auf seinem Arbeitstisch noch etliche Loks, die er für einen alten Schulfreund wieder gängig macht. Und auch die eigenen Loks und Waggons müssen laufend gepflegt und gereinigt werden, damit sie unfallfrei auf der großen Anlage durch die Landschaft sausen können. Mit Engelsgeduld, Pinzette und einem feinen Pinsel, ist Manfred Mingl stundenlang zugange.

Wo das erste Hermaringer Windrad steht

Bis zu sechs Züge sind gleichzeitig unterwegs und so gesteuert, dass sie sich dabei nicht in die Quere kommen. Egal in welche Richtung man schaut, überall gibt es was zu sehen. Viele Details entdeckt man erst bei genauer Betrachtung. Das erste Hermaringer Windrad zum Beispiel, ein Swimmingpool auf dem Dach, die Abrissarbeiten an einer alten Brauerei und noch vieles, vieles mehr. Das würde sicher so manchen Besucher begeistern, doch die gibt es nur selten. Die Anlage befindet sich im Einfamilienhaus am Scheffelweg unterm Dach, und ist nur über eine steile Einschubtreppe zu erreichen. Der große Wunsch der Mingels ist ein Ausbau der Treppe, damit der noch rüstige 73-Jährige seinem Hobby auch noch lange nachgehen kann. Und dann wäre das mit den Besuchern ja auch einfacher.

Detail über Detail: Die Anlage auf dem Dachboden ist sehr vielseitig. Rudi Penk

Eine Modelleisenbahn hatte sich Manfred Mingl schon als Kind gewünscht. Doch erst 1975 erfüllte er sich selbst diesen Wunsch. Als der Opa seiner Frau starb, baute er dessen kleine Anlage ab und nahm sie mit nach Hause. Weitere zehn Jahre vergingen, in denen Mingl immer mal wieder Material kaufte, reparierte und Pläne machte. Erste Versuche fanden im Wohnzimmer statt. Da musste die Familie auch mal wochenlang über die Gleise hinwegsteigen.

Schließlich begann 1984 der zeitaufwändige Ausbau der Anlage auf dem Dachboden. Allein zwei Jahre habe er unter der Anlage verbracht, um rund 1500 Meter Leitungen zu verdrahten, erinnert sich Mingl, der lange bei der Firma Bosch als Elektriker gearbeitet hat. Und das erklärt dann wohl auch, wie man auf die Idee kommt, alte Waschmaschinensteuerungen zu Schaltgleisabschaltungen umzubauen. Der Hauptschalter stammt aus einer ausrangierten Spülmaschine und die Relais für das Schaltpult sind ebenfalls Marke Eigenbau.

Der Wert eines Mittelklassewagens? Kein billiges Hobby

So wird gespart, denn schließlich ist das Hobby nicht gerade billig. Der Wert eines Mittelklassewagens dürfte da über die Jahre wohl schon zusammengekommen sein, schätzt Mingl.  Und immer wieder gibt es neue Versuchungen: Aktuell schlägt das Herz des Hobbyeisenbahners für eine neue Märklin-Lok, die mehrere Hundert Euro kostet.

Gut eingerichtet hat sich Manfred Mingl in seinem "Dienstraum". Rudi Penk

Doch Mingl ist sich auch im Klaren, dass er ein aussterbendes Hobby betreibt. Das merke man auch an der mangelnden Nachfrage auf den Börsen, auf denen mit gebrauchtem Zubehör gehandelt werde. Oftmals fehle für eine Modelleisenbahn neben der Zeit wohl auch schlichtweg der Platz.

Obwohl auch sein Sohn Freude an der Modelleisenbahn habe und ihm immer mal wieder helfe, erwartet Manfred Mingl eher nicht, dass dieser sein Hobby weiterführen wird. Aber wenn das Haus irgendwann mal verkauft werde, dann auf jeden Fall an einen Modelleisenbahner, erklärt Manfred Mingl mit einem Augenzwinkern.

Doch bis dahin ist noch lange Zeit und es gibt ja noch jede Menge zu tun. Sein neuestes Projekt ist die Verlegung eines digitalen Gleises, damit die sehnsüchtig erwartete neue Märklin-Lok dann auch unter idealen Bedingungen fahren kann.

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